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Ein Stundenprotokoll

27 Stunden Tempo 300

Süditalien, nahe Lecce. 13. Oktober 2001, 15.55 Uhr: Das Mechanikerteam, die Ingenieure und die FIA-Kontrolleure verlassen die Start-Zielgerade des 12,6 Kilometer langen Hochgeschwindigkeits-Rundkurses von Nardo. Das Startsignal fällt. Profi-Rallye-Fahrer Dieter Depping, einer von sechs Piloten am Steuer, fliegt mit dem 600 PS starken Volkswagen W12 Coupé davon. Der 24-Stunden-Countdown läuft. Depping dreht den Motor in der Startphase bis maximal 5800 Umdrehungen pro Minute.

16.58 Uhr: Nach einer Stunde fällt der erste internationale Geschwindigkeitsrekord: Eine Stunde mit einem Schnitt von 311,99 km/h und damit 10 km/h schneller als ein Ferrari 550 Maranello drei Jahre zuvor. Kurz darauf Fahrerwechsel und Check. Geplant sind 30 Sekunden. 255 Liter stürzen in den Tank, Tankzeit 24 Sekunden. Nach 29 Sekunden donnert der W12 wieder davon. Jetzt geht Jean-Francois Hemroulle auf 6200 U/min. Die Geschwindigkeit des W12 pendelt sich bei 319 km/h ein.

 

17.35 Uhr: 500 Kilometer mit 308 km/h. Sehr klare 30 km/h flotter als eine Chevrolet LTS Corvette beim letzten erfolgreichen Rekordversuch. 18.34 Uhr und 19.10 Uhr: Nächste Rekorde über 500 Meilen und 1.000 Kilometer. Check und gleich wieder weg: Nach 1,17 Minuten ist der Bolide wieder auf Kurs. 21.07 Uhr und 21.58 Uhr: Der Rekord über 1.000 Meilen und 6 Stunden fällt mit Tempo 312 - tschüss Corvette, Rekord Nummer fünf und sechs sind im Kasten.

Die Nacht bricht herein. Kurz nach vier Uhr: Eine Veränderung im Fahrverhalten, dann knallt es unter dem Wagenboden. Depping schleicht in die Box. Der Diffusor: Erst ab, dann in der Folgenrunde überfahren. Am Frontspoiler und am Unterboden hat es den W12 heftig erwischt. 40 Minuten Reparatur. Der Schnitt ist dahin, was die Laune im Team kaum steigert.

6.42 Uhr: Die Sonne ist vor einer Stunde und nach 4.300 Kilometern wieder aufgegangen. Der Schnitt hat sich erholt (292 km/h), das übernächtigte Team kaum. 8.53 Uhr: Früher als geplant, kommt der Weltrekord über 5.000 Kilometer: 295 Stundenkilometer und das 17 Stunden lang. Kaffee und Coke zum Frühstück. Kurz nach dem Mittagessen der Mechaniker nimmt VW die 6.000-Kilometer-Marke, um 15.43 Uhr die 7.000 Kilometer. Bitteres Bangen, ein süßer Erfolg: Eine viertel Stunde später, um 15.58 Uhr ist es geschafft: 7.085.7 Kilometer am Stück, Schnitt 295.24 km/h. Der 24-Stunden-Rekord ist eingefahren - doch gleichzeitig mit der Ziel-Flagge erhält der Fahrer, nachdem Konzernlenker Piëch (selbst am Kurs) grünes Licht für die "5.000 Meilen" gegeben hat, das Zeichen zum Durchstarten.

 

Um 19.32 Uhr ist dann endgültig Feierabend. Nach 5.000 Meilen und 639 Runden mit durchschnittlich 292 Stundenkilometern. Die Schadensbilanz: Mehrere zerstörte Felgen wegen des holprigen Belags, ein verlustigter Schwingungsdämpfer des Motors und ein kompletter Satz abgeschüttelte Auswuchtgewichte, mehr nicht. Der Rest war Champagner. Der Ausflug nach Süditalien kostete 3,5 Millionen Euro und viel Schlaf.

Weitere Informationen:

VW  New Beetle Cabrio

VW Phaeton

VW Lupo (50 PS)

VW Lupo 1.2  3L TDI

VW W12 Coupé

 

oder unter www.volkswagen.de

 

 

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