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Offen ohne Koffer

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Vergleichstest: Daihatsu Copen - Smart Roadster

Sie sind die Flipflops unter den Automobilen. Luftig, leicht, filigran. Ein Platz links, einer rechts. Keine Typen mit kräftiger Sohle, nicht viel PS am Schuhwerk und so nützlich wie Sandalen am Fuß bei einem 110 Meter Hürdensprint. Trotzdem eine gute Wahl? Der bald nicht mehr produzierte Smart Roadster und der rechtsgelenkte Daihatsu Copen im Vergleichstest.

Gigantismus en miniature. Der 905 kg leichte Daihatsu Copen ist mit exakt 3.395 Millimeter Länge gigantisch klein, der noch leichtere Smart Roadster (865 kg) mit 1,21 Meter Höhe gigantisch flach. Diese Zweisitzer mit Sonnenoption verhöhnen ihr Nutzdenken. Wenn ihre Koffer lachen könnten, hier würden sie es. Die Sitze im Smart Roadster liegen extrem tief – cool, nicht gesund. Kindergärten auf Ausflug schauen fröhlich hinterher, aber ganz selten auch hinauf. Durchaus auch ein eigenartiges Gefühl, selbst noch zu tiefer gelegten Automobilen hinaufzuschauen. Dort unten blickt man intensiv in die Scheinwerfer Entgegenkommender – die anderen gibt es mit Xenonlicht, den Smart Roadster nicht. Der tote Winkel firmiert wie im Daihatsu Copen unter mausetot. Der Ausstieg aus der Tiefe erfordert in seitlich engen Parklücken beträchtliche Bewegungsintelligenz und kräftige Oberschenkel.

Schön ist: Wie jeder Smart ist auch dieser kinderleicht zu handhaben: Gaspedal, Bremspedal, Halb- oder Ganzautomatik. Wenige Schalter, wenige Probleme. Und sonst? Der Schalter für den Heckdeckel liegt immer noch zu nah am Fensterheberdrücker. Die Belüftung ist nur grob einregelbar. Die Neigungsverstellung für den Beifahrersitz hat man beim Basis-Roadster ganz weggelassen. Das Handschuhfach ist gerade im Vergleich zum geräumigen des Daihatsu viel zu klein geraten. Trotzdem bleibt der Smart Roadster in dieser Fahrzeugklasse ein Raumwunder: Selbst ein Zwei-Meter-Mann sitzt – kaum zu glauben bei der Flachheit – noch ziemlich gut.

Der Platz ist manchmal nicht dort, wo man ihn sucht – das Los eines japanischen Rechtslenkers in einer Linkslenkerrepublik: Der Fahrer steht manchmal, aber mit der Zeit immer seltener vor der Beifahrertür, der Beifahrer vor der Fahrertür. Hierzulande linksseitige Parkhausausfahrten sind, weil Arme gemeinhin selten mehr als zwei Meter messen, im Rechtslenker pure Schikane. Weil man beim Überholen immer näher am Grün- als am Mittelstreifen sitzt, mindern Vorausfahrende die Überholchancen beträchtlich. Trotzdem ist im rechtslastigen Copen rechte Gesinnung mal echt anregend: Eng, direkt und zugig geht es zu. Nochmals enger als im Smart Roadster zwar, aber auch etwas wärmer und freundlicher als in dessen lustigem, aber unterkühltem Techno-Interieur. Schlicht schwarz, poliertes Alu, ein wenig Chrom und auch etwas solider als der an einigen Stellen ein wenig fragilere Roadster. Auch hier scharen sich nur etwa ein Dutzend Schalter und Steller um den Fahrer. Wenn der aber draußen steht, ist es nicht ideal, dass sich der Kofferraum nur über einen Hebel im Fach zwischen den Sitzen öffnen lässt. Das Sony Drive-S MP3-Radio ist schlicht eine Bedienkatastrophe (zu kleine, teils spiegelnde Tasten). Der Lenkradhöhenverstellung sollte man noch etwas mehr Weg gönnen, sodass nicht die Schuhwahl (hoher oder flacher Absatz) darüber entscheidet, ob man beim Einstieg mit den Knien am griffigen Momo-Lenkrad vorbeikommt.

Langstreckenkomfort? Kopf schräg und protestierende Halswirbel im Fall des Testers. Japaner sind nicht oft höher als 1,90. Der Tester schon. Und das ist auch schon das Problem – oder bei Kleinergewachsenen eben nicht. Wer denkt, dass ein mobiles Aludach nur Ruhe bringt, fühlt sich vom würzigen Pegel an Gegenwind, Fahrwerks- und Motorgeräuschen überrascht. So steht auch hier fest: offen ist besser.

Der dafür verantwortliche Zentralschalter für das „Active-Top“ sitzt auf der Mittelkonsole. Was nach der Bedienungsanleitung bei der Copen-Öffnung beachtet werden sollte, klingt kompliziert: Der Schalter kann nur dann betätigt werden, wenn das Fahrzeug geparkt, die Handbremse angezogen, der Kofferraum abgedeckt und geschlossen und die Dachschlösser gelöst sind, wobei die Umgebungstemperatur – was nicht gerade nach Sonnenbrand klingt – über minus 10 Grad liegen sollte. Alles ist in der Praxis viel einfacher: zwei Verdeckspriegel, ein Verdeckschalter, den Rest erledigt die Elektrik, das Ende des Vorgangs markiert ein Piepston. Selbst der kürzeste Weg lohnt offen. Der dann fast gänzlich verschwundene Kofferraum (Volumen: nur noch 14 Liter) macht den Weg nicht gerade zum Ziel. Oder: Wohin mit dem Gepäck bei Offenfahrt auf einer Reise? Keine Frage: der Nachteil dieser Dachkonstruktion ist ihre Gepäckfeindlichkeit – bei immer noch großem Reiz des auf nur 3,40 Meter realisierten Konzepts.

Diesen Reiz muss man sich beim Kontrahenten erst erarbeiten: Die Sonne arbeitet für uns, oder wir für sie? Zuviel Arbeit für einen Sonnenbrand? Nein, zuviel für einen in hiesiger Region häufigen Sonnen-Regen-Wechsel-Tag. Wie flott man das Dach im Smart bei einem plötzlichen Platzregen drauf hat, möge jeder selbst probieren: Kofferraum öffnen, zwei Dachhälften aus dem Styroporformteil im hinteren Stauraum fischen und drei Hebel umlegen, vielleicht eine Minute vergeht. Geht es nach dem Wind, ist der Smart mit kräftigem Zug bei hohen Tempi trotz „Targadach“ ein waschechter Roadster. Ähnlich wie der Daihatsu Copen bei 170 offen: tierisch zugig, tierisch laut, selbstverschuldeter Haarausfall, irgendwie die Hölle – klasse.

Immerhin so stark wie eine ganze Herde Pferde sind beide: Mit 61 PS im Heck vermisst man, wenn man die Alternativen der stärkeren Roadster-Dreizylinder kennt, nur wenig. Nicht den 82 PS-Motor (Test), noch das heißere 101 PS-Eisen im Brabus Roadster (Test). Mit den paar PS an Bord geht der Roadster erstaunlich gut. Die ungerade Zylinderzahl hat akustisch bei 5.000 bis 6.000/min ihren rauen Reiz. Noch aufreizender brennt sich das sieben PS stärkere Vierzylinder-Turbomotörchen des Copen über den kecken Doppelauspuff ins Mittelohr: Satter Klang, hungriger Motor. Zuerst pfeift der Kleine nur wie ein zufrieden verdauender Wellensittich. Mit weiterem Drehzahlfüttern plustert er sich, trotz lediglich 100 Nm in der Spitze, bei rund 3.000/min kräftig auf, um dann fulminant bis 8.000/min Schub auf die Vorderachse zu geben – Japans kleinsten 8.000er fährt man so, wie man den Roadster, wäre er mit dem 61 PS-Motor etwas geschmeidiger und durchzugsstärker, gerne fahren würde: wild, verspielt, unvernünftig.

Ebenso die Schuld an der Lust hat im Copen die gekonnt am Motor angedockte Getriebeeinheit: Schalthebel links, fünf knackige Gänge, fünf kurzatmige Schaltgassen. Spätestens hier weiß der Smart-Fahrer, was ihm entgeht. Schaltenwollen ist im Roadster nun mal die natürlichste Sache der Welt – aber diesen Smart gibt es nur mit automatisiertem Sechsgang-Schaltgetriebe. Das schaltet zwar viel schneller und ruckfreier als je zuvor und entlastet den Fahrer mit einer Berg-Anfahrhilfe und auf Knopfdruck in der Automatikfunktion im Stau, aber ein Automat bleibt ein Automat. Durch einen ellenlangen sechsten Gang (ein Sprung zwischen Schaltstufe 5 und 6 von 1.000/min) bleibt jedoch das Drehzahlniveau auf einem weitaus niedrigeren Niveau als im beinharten Dreher Copen (schon 4.900/min bei Tempo 130) – mit positiven Folgen beim Verbrauch: viel mehr als 7 Liter/100 km sind, ganz im Gegenteil zum trinkfreudigeren Copen, kaum drin. Ein Trick noch, wenn die Schaltwipper der Halbautomatik immer noch stören: Ein Tick vom Gas gehen direkt vor dem Hochschalten, ein wenig Gas geben beim Herunterschalten.

Der Motor des Smart hat gut 60 PS, das Fahrwerk 300. Auch bei Höchstgeschwindigkeit, 160 km/h, liegt der Roadster ruhig und sicher. Kurven werden lustvoll vernascht. Der heckgetriebene Roadster ist seine eigene Gravitation. Die Reserven des Unterbaus sind auch bei deaktiviertem ESP enorm – ein eindeutiger Gradmesser für die Fahrwerksgüte. Die Lenkung arbeitet in Fahrt direkt und leichtgängig. In Parklücken arbeitet, bei jetzt weitaus höherem Lenkwiderstand, dagegen der Fahrer. Auch mit der Steuereinheit des Daihatsu fährt man um manche Limousine Kreise. Der Copen pfeift um die Ecken wie Schmidts Katze – ein dämliches Bild, aber so ist es. Agil, hart, fast eine englische Landpartie. Komfort geht aber anders. Und weil das Fahrwerk recht unerbittlich ist und der Copen trotz der Kürze nicht sonderlich steif und damit nicht frei von Verwindung, dringt so manches Geräusch auch aus dem Dachaufbau in den Innenraum.

In der Konklusion dieses Vergleichs spricht jene raffinierte, aber völlig unkomplizierte Dachkonstruktion jedoch klar für den Copen. Der pure 61 PS-Basis-Roadster – unser Tipp bleibt das Roadster Coupé (mehr Gepäckraum) und das elektrische Softtop (rascher offen) – kontert mit großzügigeren Platzverhältnissen, einem harmonischeren Fahrwerk, einem weitaus günstigeren Verbrauch (6,5 Liter Super Plus statt 8,3 Liter Normal) und einem im Vergleich um 3.200 Euro niedrigeren Preis (13.990 € für das MTV-Sondermodell; siehe unten). Alles gute Gründe dafür, zwei Monate vor der Produktionseinstellung (Ende 2005) noch einmal schwach zu werden. Denn schon der Smart Roadster hat einen sehr sympathischen Ansatz, den der Daihatsu Copen mit seiner überzeugenden Motor-Getriebe-Einheit nur noch ein wenig konsequenter umsetzt – eine von Herzen kommende Kaufempfehlung an alle Menschen unter 1,85 Meter.

 

Der Kofferraum bleibt hier wie dort auf der Strecke. Beim Copen (210 l) zeitweise, beim Smart permanent (59 + 86 l). Wenn sie beim Anblick beider Fahrzeuge aber an selben denken, spielt ihnen ihre Vernunft einen kleinen Streich: Sie treffen eine rationale Kaufentscheidung? Aber am Ende haben sie doch viele tolle Fahrerlebnisse verpasst – da sind beide, der süße Daihatsu Copen, der ab Frühjahr 2006 erstmals als Linkslenker nach Deutschland kommt, und der pfiffige Smart Roadster erste Wahl. (le)

Musik ohne Ende: Smart MTV Roadster für 13.990 Euro

Wer den Roadster mitsamt Apple iPod haben möchte, sollte sich beeilen: Der Smart MTV Roadster ist ab sofort in einer begrenzten Stückzahl erhältlich. Mit an Bord der 61 PS-Turbomotor. Das Sondermodell ist mit einem Sportpaket inklusive 16 Zoll Leichtmetallrädern mit 205/45 R 16 Bereifung, einem Drei-Speichen-Lederlenkrad mit Lenkradschaltung sowie mit Radio/CD-Player und Klimaanlage ausgerüstet. Zur schwarzen Tridion-Sicherheitszelle und Bodypanels in "jack black" gibt es ein abnehmbares Hardtop, das sich mit nur wenigen Handgriffen im Kofferraum verstauen lässt. Musik ohne Ende, zumindest länger als eine Tankfüllung, verspricht das Apple iPod mit seiner Speicherkapazität von 20 GB. (ta)

Weitere Informationen unter:

Smart Brabus Roadster

Smart Roadster Coupé

Smart Forfour 1.5 cdi

Smart Cabrio

Daihatsu Cuore 1.0

 

 

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 Technische Daten

 Daihatsu Copen

 Smart Roadster

Motorbauart/ Zylinderzahl

Reihe 4, Frontmotor quer

Reihe 3, Heckmotor quer

Hubraum                                             cm3

659

698

Leistung                              PS bei 1/min

68 bei 6000

61 bei 5250

Maximales Drehmoment  Nm bei 1/min

100 bei 3200

95 bei 2000

Kraftübertragung

Frontantrieb

Heckantrieb

Länge x Breite x Höhe                       mm

3995 x 1475 x 1245

3427 x 1615 x 1207

Radstand                                            mm

2225

2360

Leergewicht/Zul. Gesamtgewicht    Kg

905/ 1040

865/ 1030

Kofferraumvolumen nach VDA          L

210 (offen: 14)

145

Tankinhalt                                              L

40

35

Beschleunigung  0-100 km/h (Werksangabe) s

11,7

15,5

Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe   km/h

170

160

Mängel am Testfahrzeug

Keine

Keine

Testverbrauch                         L/100 km

8,3

6,5

Grundpreis                                       Euro

17.200

14.990 (13.990 Sondermodell)

Internetadresse Hersteller

www.daihatsu.de

www.smart.com

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