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Ökologische Dachnummer

Vorstellung: Rinspeed Chopster

 

Porsche und Wanderstiefel – das geht heute in Ordnung. Doch wo Porsche mit dem Cayenne in zuvor ungewohnte Höhen gewachsen ist, baut Rinspeed mit dem 600 PS-Monster Chopster nun wieder voll in die Tiefe – Vorstellung: Rinspeed Chopster.

Sucht man ein Alibi, so ließe sich die Tieferlegung eines Geländewagens noch mit der dann besseren Straßenlage und dem daraus vielleicht resultierenden niedrigeren Verbrauch begründen. Was im Fall Rinspeed Chopster in etwa auf Wasser predigen, aber Super Plus saufen hinauslief, denn die 15 Zentimeter tiefere („gechopte“) Dachlinie ist etwas schrullige amerikanische Automode und hat mit Vernunft in etwa soviel zu tun, wie die Notwendigkeit des 600 PS-V8 mit der schlichten Forderung von A nach B zu gelangen.

Denn die Abfahrt im eigenen Chopster von A bedeutet schon Reichtum (325.000 bis 375.000 €), und die Ankunft bei B endet so oder so in einem ökologischen Gau – oder ist Personentransport in einem der versoffensten Fortbewegungsmittel, seit es Schweizer gibt. Schon der Porsche Cayenne S mit dem Saug-V8 (Test) pumpt sich auf einer geschwinden Fahrt von München nach Hamburg Säfte ein, mit denen sich ein 3 Liter-Lupo einen Monat ernähren ließe. Wird das Potential im Rinspeed voll ausgeschöpft, wenn 800 Newtonmeter den SUV in unter fünf Sekunden auf Tempo 100 oder auf Vmax 290 km/h pushen, dann nimmt die Ressourcenvergeudung noch groteskere Züge an – ob sich der Chopster dann mit 19 oder 29 Liter alle 100 Kilometer die Brennräume spült, spielt dann nicht wirklich noch eine Rolle.

Auch der Karosserie des Porsche Cayenne ging die im Entwurf wahnwitziger Concept Cars (Vorstellung Rinspeed Splash) erprobte Rinspeed-Mannschaft fulminant an die Eingeweide. Die Dacherniedrigung hatte zur Folge, dass sämtliche Scheiben neu angefertigt werden mussten, und eine Neuberechnung der Steifigkeit im Dachbereich anstand. Verzichtet wurde wegen dem gewünscht sportiven Auftritt auch gleich auf die hinteren Türen. Wie die Dreitürigkeit fällt die neu gestaltete Frontpartie mit großen Öffnungen für die Ladeluftkühler ins Auge. Die Kotflügel gestaltete man fülliger als beim Zuffenhausener 4x4, die Radkästen reizte man aus: 10J x 23"-Räder mit 305er-Bereifung an Vorder- und Hinterachse.

 

Das Interieur ist ähnlich konsequent sportlich. Vier Schalensitze sorgen für den nötigen Seitenhalt. Ein nicht sichtbarer integrierter Überrollbügel schützt die Insassen. Der Innenraum ist mit feinem Leder ausgeschlagen. Optional lässt sich das gehörige Übergewicht mit ein paar Carbon- oder Aluapplikationen übertünchen. Aber um Gewichtsersparnis geht es bei diesem Geländewagen genauso wenig wie um Geländetauglichkeit. Der Rinspeed Chopster ist rational betrachtet ein echter Gattungswitz: Zu hoch, um wirklich Sportwagen zu sein. Zu tief, um im Gelände auf einen grünen Zweig zu kommen.

Eine ökologische und ökonomische Dach-Lachnummer, aber zugleich auch ein eindrucksvoller und gewagter Prototyp. 150 PS stärker und 225.000 Euro teurer als ein schon nicht schwacher und billiger Cayenne Turbo. Nichts für Introvertierte. Nichts für Menschen, die den Sinn fürs Geld noch nicht verloren haben. (er)

 

Weitere Informationen:

Rinspeed Splash

 

oder unter www.rinspeed.com

 

 

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