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Limousinen der Zukunft?

Jaguar R Coupé und Renault Talisman

 

Die Studie repräsentiert eine Zukunftsvision, mit deren Umsetzung in nächster Zukunft in dieser Form nicht zu rechnen ist", so Jonathan Browning, Managing Director von Jaguar Cars. Was nichts anderes heißen soll, als dass das formvollendete Jaguar R Coupé, auserwählt aus sechs hauseigenen Designentwürfen der letzten zwei Jahre, so nie in Serie gehen wird. Ein ernüchterndes Schicksal, dass der Jaguar mit dem ähnlich dimensionierten Renault Talisman (ebenso wie der „Jag“ etwa fünf Meter lang, viersitzig und von coupéhaftem Zuschnitt) teilt. Wie das R Coupé stand auch der Talisman erstmals auf dem Frankfurter Autosalon im Herbst 2001 im Licht der Rampe, wie der elegante Brite gibt auch der futuristische Franzose einen Ausblick darauf, wie es in den nächsten Jahren bei Jaguar und Renault weiter gehen könnte  - allerdings auf sehr unterschiedliche Weise. 

Seitenlinie und Rücken des Renault Talisman scheinen aus einem Guss. So gelungen und dynamisch diese Partien sind, so gewöhnungsbedürftig erscheint der Kühlergrill mit seinen wuchtigen - an einen Mähdrescher gemahnenden - Längsrippen. Als einzige Reminiszenz der Karosse an die Vergangenheit lassen sich die 2,45 Meter breiten, elektrohydraulisch nach oben schwingenden Flügeltüren deuten - der Lamborghini Marzal von 1967 besaß sie, ohne Elektrik, auch. Der Rest ist fast reiner Futurismus - ein Weg den eigentlich Citroen zu gehen hätte: Gestartet wird via Chipkarte. Die Form der Armaturentafel, die nur über einen schmalen Metallträger mit der Stirnwand verbunden ist, ähnelt der eines Flugzugflügels. Darauf installiert sind nur die elegante TAG-Heuer-Uhr und das von drei Außenkameras gespeiste 16:9-Multifunktionsdisplay, das als "Panoramarückspiegel" fungiert. Puristisch und wertig wirken auch die vier Instrumente hinter dem Steuerrad. Sie bestehen aus drei übereinander angeordneten Kristallscheiben, die frei im Raum zu schweben scheinen. Das Gleiche gilt für die Ziffern, die per Laser jeweils in die mittlere Kristallscheibe eingraviert sind.

Das Armaturenbrett wie auch die Pedalerie sind elektrisch verstellbar, die Sitze dagegen völlig feststehend und ohne Verstellmöglichkeit. Was den Vorteil bietet, dass die Fondpassagiere von einer konstanten Beinfreiheit profitieren. Die Optik des dünnen Gestühls umschwebt dabei nur auf den ersten Blick die Aura des Spartanismus, denn unter denen mit rotem Leder bezogenen Sitzflächen ruhen Luftkissen, mit denen sich Sitzhöhe und Sitzkomfort stufenlos variieren lassen.

Verglichen mit diesem technischen Futurismus mit Kameras und Luftkissen wirken Karosserie und Interieur des Jaguar R-Coupé wie ein Blick zurück - die Jaguars der Fünfziger und Sechziger Jahre lassen grüßen. Dass Jaguar-Designchef Ian Callum bis 1999 bei Aston Martin im Dienst stand, bleibt ebenso wenig verborgen (Er kreierte den fabulösen V12 Vanquish): Das R Coupé gäbe mit seinen großzügig dahin fließenden Linien, sparsam gesetzten Stylingdetails und seiner klassisch-schnörkellosen Eleganz auch einen guten Aston Martin ab.

 

Die Front ziert ein großer versilberter Kühlergrill, das Heck gleich zwei versilberte Tankdeckel. Wie dezent Luxus dagegen auch sein kann, zeigt nichts besser als das Interieur: Zierliche mit hellbeigem Connollyleder bezogene Sitzschalen, kastanienbraunes Sattelleder auf dem Instrumentenbrett, versilberte Instrumente im Chronographenstil und dunkle Makassar-Ebenholz-Applikationen schmücken das im Luxus fast karge Interieur. Wie in einem britischen Castle hält sich die Zukunft im Type R wohltuend zurück: Der LCD-Bildschirm zur Steuerung von Radio, TV, Telefon, Klimaanlage, Internet und Navigationssystem ist wohl versteckt, die Schaltwippen im Formel-1 Stil fallen nicht weiter auf, die Xenonscheinwerfer mit Lichtnachführung und Bremsleuchten mit variabler Leuchtkraft auch nicht.

 

Würde das Jaguar Coupé in Serie gehen hätte es einen V8-Antrieb unter der Haube. Sein Vierliter-Motor brächte es auf 280, mit Kompressoraufladung etwa auf 400 PS. Der Talisman von Renault hat mit seinem 4,5 Liter großen V8-32-Ventiler ein ähnliches Potential. Den V8 entlieh man sich bei Schwester Nissan. Die Japaner installieren das Triebwerk in den in Deutschland nicht angebotenen großen Limousinen Nissan Cima und Infiniti Q45. Die Leistung beträgt 280 oder 340 PS. Der Verbrauch soll etwa bei 10 Litern/100 km liegen. Mit seiner aerodynamischen Karosserie (ein Diffusor im hinteren Wagenboden sorgt für Abtrieb und ersetzt den optisch wenig ästhetischen Heckspoiler) und nur etwa 1,6 Tonnen Eigengewicht hätte die Renault-Studie daher in Anbetracht der Endlichkeit der Ressourcen auch eine Zukunft - würde man sie nur bauen. Aber daran denkt man bei Renault, wie bei Jaguar auch, nicht – beides sind Limousinen ohne Zukunft. Eine Schande.

 

 

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 Technische Daten

 R Coupé

 Talisman

Motorbauart/ Zylinderzahl

V8

V-8

Hubraum                                           cm3

4196

4494

Leistung                           PS bei 1/min

ca. 400 (Kompressor)

280 bis 340

Kraftübertragung

Heckantrieb

Heckantrieb

Länge x Breite x Höhe                    mm

4925 x 1890 x 1347

4805 x 1950 x 1380

Radstand                                         mm

2909

2950

Leergewicht                                     Kg

k. A.

1600

Höchstgeschwindigkeit              km/h

250 (abgeregelt)

ca. 250

Internetadresse Hersteller

www.jaguar.de

www.renault.de

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