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Japans Nummer 10

Mitsuoka ist hierzulande eine fast unbekannte Größe. Der quirlige japanische Automobilproduzent, offiziell der zehnte im Land, ist im Vergleich zu den Branchenriesen ein Auflagenknirps. Jedoch baut er Fahrzeuge in Kleinserie, die man japanischen Herstellern hierzulande gar nicht zutrauen würde.

 Als Susumo Mitsuoka 1968 seine Reparatur- und Lackierwerkstatt in Toyama-shi eröffnet hatte, war er es gewöhnt, allabendlich nahe seines Wohnhauses mit John, dem Haushund, zu spielen. Da ihm das Gerenne aber alsbald zu schweißraubend wurde, baute er sich einen kleinen Motorbuggy, um der ausschweifenden Natur des Tieres Herr zu werden.

 

Erst 1981, der Lauf der Natur hatte John längst besänftigt, machte Mitsuoka den Motorbuggy zum Geschäft. In Japan gab es zu dieser Zeit - auch weil man für den Fahrbetrieb mit 50 Kubik keinen Führerschein benötigte – einen regelrechten Boom der Superminis. Mitsuoka importierte die in Japan „zero-han cars“ genannten und auf 60 km/h getrimmten Minifahrzeuge aus Italien. Schon zwei Monate später erlagen allerdings die ersten Motoren der damals berüchtigten italienischen Verarbeitungsqualität und starben einen zu frühen Hitzetod. Da noch Ersatzteilprobleme hinzukamen, entschloss sich der geschäftige Schrauber, die gestrandeten Superminicars mit gebrauchten Roller-Motoren wieder zu beleben. Bei diesen Arbeiten stellte er fest, wie simpel Chassis und Motoren konstruiert waren. Die Zeit von der Fertigungsidee bis zum kompletten Eigenbau war dann eine kurze.

Der Verkaufspreis von einem Superminicar betrug zu dieser Zeit 1.000.000 Yen, der Wunschpreis der Kundschaft lag etwa bei 500.000. Mitsuoka positionierte sich preislich mit seinen Produkten in der Mitte, was dem Business gut tat: Anfänglich plante er den Verkauf von monatlich 20 Superminicars, bald erhält er Bestellungen für 200. Der Kauf von Land und der Bau einer eigenen Fabrik ist die betriebswirtschaftliche Konsequenz.

Als der Staat für die kleinen Mobile, für die in Japan keine Helm- und keine Parkplatznachweispflicht besteht, 1985 den Führerschein einführt, geht der Absatz schlagartig um 90 Prozent zurück. Präsident Mitsuoka macht die eigene Fabrik wieder dicht.

Unproduktive Tage und eine Reise in die USA folgen. Mitsuoka staunt nicht wenig, als ein amerikanischer Autohändler zugleich ein MG und ein MG-Nachbau anbietet, das fabrikneue Auto aber zum höheren Preis.

 

Aus der Verwunderung wird fix eine neue Geschäftsidee. Das erste, aber späte Automobil im Vollformat - Mitsuoka ist schon 50 - ist 1990 der Le-Seyde, ein fast 5,30 Meter langes und etwas barockes Coupé. Die Kleinserie von 500 Einheiten ist binnen vier Tagen ausverkauft und füllt dem Chef die Kasse. Das nächste Modell, der sportive Zero-1 (740 kg Fahrzeuggewicht, 130 PS-Motor von Mazda) gewinnt zwar einen Designpreis, verkauft sich aber nur rund 80 Mal. Weitere Erfolge feiert Susumo Mitsuoka erst wieder mit Automobilen, die dem Beschauer mit viel Holz, Leder und Chrom auf charmante Art und Weise den Jaguar für den Nissan vormachen - mit dem kompakten Viewt auf March-Basis (Deutschland: Micra), von dem zwischen 1993 und 2002 monatlich bis zu 80 Fahrzeuge gefertigt werden und den größeren Mitsuoka Galue (I: 1996, II: 1999) und Ryoga (1998).

Vom stattlichen neuen Ryoga (Fahrzeuglänge: 4,7 Meter), der wie alle Mitsuokas nur auf Bestellung geliefert wird, werden 2002 nur 500 Einheiten produziert.

 

Die Kleinserien haben ihren Preis: Die auf 600 Exemplare limitierte „Final-Edition“ des Viewt kostet bis zu 20.000 Euro, der größere Ryoga 26.000. Den Galue II mit dem 240 PS-Motor gibt es für 42.500, den sehr sperrigen, aber nicht sonderlich kräftigen Le-Seyde (2,0 Liter-Vierzylinder, 160 PS), der auf der Tokyo Motor Show 2001 auch als Cabriolet mit elektrisch öffnendem Blechdach gezeigt wurde, für rund 50.000 Euro.

Ungefähr noch mal 10.000 Euro mehr würde das 1,14 Meter hohe und 2,05 Meter breite Konzeptfahrzeug Orochi, dessen Modellname der in Japan legendären Python aus der Volkserzählung „Yamata no Orochi“ entlehnt wurde, kosten. Ein V8- oder V6-Triebwerk würde im weiten Heck Platz finden. Jenes in Tokio gezeigte Concept Car besaß jedoch weder Interieur noch Motor - trotzdem ist auch hier der Gedanke an eine Kleinserie nicht vermessen. Auch weil Mitsuoka, was Automobile betrifft, ein mutiger Mensch ist.

Mit sichtbarem Erfolg: Nach 20 Jahren Automobilgeschäft bietet er fast alles an, was auf Rädern rollt: Er verkauft Superminicars mit und ohne Dach, als Pizzatransporter (MC-1) oder Messerschmitt-Replica (K-2). Mit Benzin- oder Elektromotor als geräuscharmes Früh-Brötchen-Auto (early morning delivery microcar). Dazu den Kleinwagen Yuga, das London Taxi, diverse Bausatz-Kits und darüber hinaus auch noch andere Neu- und Gebrauchtwagen. Nur acht Prozent des Jahresumsatzes kommen aus der Automobilproduktion (2002 etwa 1.200 Einheiten). Mitsuoka ist nur hierzulande eine fast unbekannte Größe, in Japan dagegen ganz einfach der kleinste der zehn Autohersteller.

 

 

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