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Mini-Markt Ein Gattungsbericht: Japans Minicars
Japans schmale Landstraßen und Stadtgassen schreien förmlich nach den „Minicars“, Fahrzeuge der 3,40 Meter-Klasse, die hierzulande weitgehend unbekannt sind. Die Gründe für den Erfolg der Superkompakten sind auch finanzieller Art – ein Gattungsbericht. Die Fahrzeugsteuer wird in Japan nach Fahrzeugklasse („Standard car“, „Small car“ oder „Minicar“) und Fahrzeuggewicht abgeführt. Somit zahlt man für ein leichtes Minicar, beispielsweise für den Honda That´s (That´s it? - Test: Honda That´s), in etwa nur ein Drittel der Steuerabgaben, die alljährlich für eine große Limousine der Standard-Klasse anfallen würden.
Womit die große Kleinwagenzahl auf Nippons Straßen (Anteil am gesamten japanischen Automarkt über 30 Prozent) zumindest teilweise erklärt wäre. Egal ob als klassischer viersitziger Kleinwagen, wie etwa der Daihatsu Mira Gino mit den runden Scheinwerfern des Ur-Minis oder als modernistischer Mazda Scrum Wagon, der schon im Stand ob seiner Höhe von 1,9 Meter zu kippen droht: Alle Minicars haben die gleiche Baulänge und Baubreite: Exakt 3,395 Meter von Anfang bis Ende und 1,475 Meter von links nach rechts.
Zu einem Hersteller übergreifenden Patt kommt es auch beim Hubraum von 660 Kubik. Für soviel Enthaltsamkeit bei Hub und Bohrung gibt es dann das Steuer sparende gelbe Nummernschild. Honda, Mazda, Mitsubishi, Subaru, jedoch besonders Daihatsu und Suzuki liefern das volle Programm an Karosserievariationen auch im Miniformat - insgesamt zählt der japanische Markt etwa 30 Modelle und 100 Modellvarianten: Hoch gewachsene und weit verbreitete Vier- und Zweitürer wie den Honda Life, Dinger zwischen Van, Stadtauto und Offroader wie den Daihatsu Terios Kid, Möchte-gern-Offroader wie den Mitsubishi Pajero Mini oder hübsche zweisitzige Cabrios wie den jüngst auch in Deutschland in den Verkauf gegangenen Daihatsu Copen (Foto ganz oben: Studie Sard Special).
Noch offener im Stile von Matras M72 (siehe Artikel) strahlte der sehnige Daihatsu D-Bone (Foto) auf der diesjährigen Tokyo Motorshow. Im Strahlvermögen nur übertroffen von Mitsubishis bizzarem Vollalu-Bomber Se-Ro oder Eco Cars wie dem hybriden Daihatsu FCV mit Brennstoffzellen- und Batterieantrieb (beide Foto oben). Andere Studien, wie etwa der gefällig runde Daihatsu XL-C (Foto) stehen der Produktion schon viel näher oder gehen, wie der in Tokyo gezeigte Subaru R2 (Foto), die Tage in Japan in Serie.
Nur Nissan, immerhin der drittgrößte Automobilproduzent des Landes, hat mit dem Mocco nur ein Minicar im Programm. Japans Primus sogar kein einziges: Der Vitz (Deutschland: Yaris) ist mit 3,64 Meter das kürzeste Auto im Toyota-Programm. Der Rest ist Arbeitsteilung: Die 30 Minicars des Toyota-Imperiums offeriert die Konzerntochter Daihatsu.
Alle Serienminis werden (einige vierkolbige Subarus und Mitsubishis ausgenommen) von hochdrehenden Dreizylinder-Benzinmotoren angetrieben. Die leisten als Sauger im Mittel etwa 55, mit Turboaufladung um die 65 PS. Die Preise liegen zwischen 7.500 Euro und 13.000 Euro (Yen-Kurs: 128 Yen/Euro). Fast immer serienmäßig mit dabei ist die Klimaanlage – notwendig im schwül-heißen japanischen Sommer – und die in Japan allzeit geschätzte Automatik (Einbaurate: 80 Prozent). Kaum einer der Minis, Ausnahme etwa der knuffige Copen von Daihatsu, wird in Europa angeboten. Man erkennt in den Reihen der japanischen Produzenten keinen Markt. Besser hinschauen würde helfen: Die große Kleinwagendichte in Frankreich und Italien und der beachtliche Erfolg des Smart in Italien zeugen eher vom Gegenteil. (er, 12/03)
Weitere Informationen:
That´s it? -Test: Honda That´s
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