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Hommage an die Kurve Porsche Carrera GT
Wer ihn zuerst sehen wollte, musste sehr früh aufstehen. Am sehr frühen Morgen rollte der Roadster auf der Champs Elysées in Richtung Louvre. Der üppige Pariser Stadtverkehr hatte den Boulevard noch nicht eingeholt. Walter Röhrl, in seiner aktiven Rallyezeit am famosesten auf Audi, diesmal im Porsche, rollte heran. Unter dem Popo den so sündhaft teuren Prototyp Carrera GT. Die Präsentation des Supersportwagen-Prototyps glich dem Treffen eines Geheimbundes. Als das Tuch dann Stunden später auf dem Pariser Autosalon 2000 am Porte de Versailles gelupft wurde, war die Produktion fast schon beschlossene Sache. Knapp drei Jahre später oder 886 Tage nach Ermittlung der Marktfähigkeit ist es dann endlich soweit: Pressekonferenz, Charter Terminal, alter Flughafen Genf, Gepäckband, am Vorabend des Autosalons, untermalt von startenden Jets - der serienreife Carrera GT zeigt sich zum ersten Mal der Presse.
Das Auto ist eine Hommage an jede Kurve. Was Wunder, die Konstruktion des Roadsters basiert auf purer Renntechnik. Das gilt sowohl für die Kohlefaser-Stahl-Karosserie, das Fahrwerk und die PCCB-Verbundbremsen (Porsche Ceramic Composite Brake) im familienpizzagroßen 38 Zentimeter-Format (noch mal 5 cm mehr als beim Turbo) als auch für den neuen V10-Saugmotor, die Pleuelstangen aus Titan und das Sechsgang-Schaltgetriebe mit Drei-Scheiben-Karbonkupplung. Mit den Maßen 1,92 Meter (Breite) x 1,16 Meter (Höhe), der sportiven Gewichtsverteilung (42 : 58) und einem angesichts der Motorleistung (612 PS) bescheidenen Gewicht (1.380 kg) erfüllt der Mister Schwaben 2003 alle Anforderungen an einen Supersportwagen. Auf dem asphaltierten Boden der Tatsachen halten den traditionell heckgetriebenen Porsche ein Heckspoiler (der bei 120 km/h ausfährt) und ein abtriebfreudiger Diffusor am Unterboden. Im Bugteil sorgen zwei Lufteinlässe im Verbund mit dem nach oben in den Wind gestellten Wasserkühler für Abtriebsdruck an der Vorderachse. Auf diesem Weg wird dem Wasserkühler und den vorderen Bremsen auch die Kühlluft zugeführt. Noch breitere Kiemen hinter den Türen versorgen auch das nur 214 Kilogramm wiegende 5,7-Liter-Leichtmetallaggregat, das sich als Mittelmotor hinter den Passagieren halboffen unter Leichtmetallhutzen liegend präsentiert, mit kühlender Luft. Die fast unbändige Hitzigkeit des Motors offenbart als Trockenübung schon ein Blick ins Datenblatt: Ein Beschleunigungsvermögen von Null auf 100 km/h in 3,9 Sekunden (0 auf 200 km/h in 9,9 s) und eine Spitzengeschwindigkeit von 330 km/h erfordern herstellerseitige Prävention an allen Ecken und Enden. Deswegen auch die Trockensumpfschmierung, die auch bei lang anhaltender oder extremer Querbeschleunigung eine optimale Ölversorgung des Triebwerks gewährleistet, deswegen die 265/335er-Bereifung und deswegen die weit blicken lassenden Bi-Xenon-Scheinwerfer. Soviel Zuwendung lässt man der Zweier-Besatzung eines Porsche Carrera GT bar des Scheins nicht zukommen: "Überall ist die Technik. Selbst für den Beifahrer haben wir Platz suchen müssen", so Porsche-Chef Dr. Wendelin Wiedeking. Elektrische Helfer? Fehlanzeige. Ein bisserle teures Wildleder auf dem der teure Popo herumrutschen darf, viel Alu im Armaturentafel-Bereich und auf der Mittelkonsole. Ein 4,8 Kilogramm schweres Dach aus zwei Kohlefaser-Leichtbauschalen, die im Kofferabteil untergebracht werden. Und ein Kofferraum im Vorderwagen, der weniger Volumen (76 Liter) hat als der hinter der Fahrgastzelle sitzende Tank (92 Liter). Das war es dann schon mit Alltagstauglichkeit und Komfort.
Der wahre Luxus des Carrera GT ist sein Untergewicht und der weltentrückte Grenzbereich. Für heftige Aufenthalte in demselben hat man in Weissach bestens vorgesorgt: Ausklappbare Knie- und Beinstützen und breite variable Sitz-Seitenwangen halten die Besatzung dort, wo sie hingehört. Das sportliche Fahrwerk - Doppelquerlenker vorne und hinten, Push-rods (am Getriebe befestigte Federbeine), individuell justierbare Radfedern und Stabilisatoren - das Auto: auf der Straße, besser noch auf der Rennstrecke. Front- und Seitenairbags gibt es für Fahrer und Beifahrer. Ansonsten blieb vieles so, wie es sich für einen Porsche seit jeher gehört: Der Drehzahlmesser sitzt - zeitgeistig gestylt als TFT-Display - unübersehbar im Blick des Fahrers, und der Zündschlüssel steckt wie gehabt links vom Lenkrad. Die ersten Exemplare des Carrera GT, der im Porsche-Werk in Leipzig gefertigt wird, kommen Ende 2003 zu den Kunden. Die Produktion, die 2005 ausläuft, ist auf 1.500 Exemplare limitiert. Von den 7,4 Millionen Menschen weltweit, die sich einen Carrera GT in die Garage stellen könnten (Porsche), haben sich schon über 1.000 zum Kauf des Roadsters entschieden. Zum Preis von 390.000 Euro - exklusive Mehrwertsteuer.
Weitere Informationen:
oder unter www.porsche.com
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