Vielleicht
hinkt der Vergleich, aber die hohe Zahl der Designentwürfe und deren
aufreizende Extravaganz macht die Tokyo Motorshow, den winter- und
sommerlichen Hautcouture-Schauen in Paris und Mailand in der Wirkung nicht
unähnlich, zum ersten Laufsteg der Branche. Die in Tokyo präsentierte
Automobilmode ist oft untragbar, verspielt, futuristisch … Jeder der drei
großen Produzenten von der japanischen Insel (Toyota, Honda, Nissan)
schickte in diesem Jahr die Konzeptstudien gleich im Dutzend auf den
automobilen Catwalk der Makuhari Messe.
Das reizvollste Showcar im, in Japan ausgesprochen
populären, Superminiformat kam jedoch nicht vom den "Big Three", sondern von
Daihatsu (nach Produktionszahlen die Nummer Sieben in Japan). Wie alle
Superminis in Japan (siehe getrennter Artikel) hat der knuffige Copen
schmächtige 660 Kubik und nur eine handvoll PS. Seine Innovation ist das
Stahldach, das wie im SLK, "stahlgefaltet“, im Kofferraum verschwindet. Der
Preis des winzigen Cabrios ist hingegen voraussichtlich wohlfeil (um die
15.000 Euro). Der Copen kommt noch 2002, leider nur nach Japan. Während Fuji
Heavy, hierzulande bekannter als Subaru, nur die Studien WX-01 und HM-01,
die schon in Frankfurt standen, zeigte, präsentierte Honda Konzepte quer
durch alle Kategorien: Den Dualnote, einen viersitzigen Sportwagen mit 400
PS, der den Hightech des Hybridantriebs mit einem V6-Benzinmotor und gleich
drei Elektromotoren an der Vorder- und der Hinterachse auf die Spitze treibt
und den Bulldog, ein Vehikel, was auch nach Hund aussieht, aber gleich zwei
Mofas im üppigen Raum im Heck in sich hineinfrisst.
Ein Auto des räumlichen Nirwana, der Isuzu Z.e.n, ein
Crossover-Projekt angesiedelt zwischen Kastenwagen und SUV (Sport Utility
Vehicle) stand in der Nachbarhalle. Seine Besonderheiten: Eine komplett
versenkbare Sitzanlage, eine Ebene aus Bambusmatten und eine
Lichtarchitektur in bester japanischer Tradition. Sein Traditionsdesign
erinnert an traditionelle japanische Wohnzimmer, ist jedoch um Lichtjahre
entfernt von jeglichem Produktionsgedanken. Der viel erdigere Isuzu GBX -
mit Steigbügeln im Postkutschenlook, dem Outfit des amerikanischen
Hummer-Jeeps nachempfunden und mit einer Breite von 1,9 Metern eher für
amerikanische Highways denn für Nippons verkehrstechnische Enge formatiert –
hat den gleichen Dreiliter-TDI (180 PS) wie das Zen-Mobil, riecht aber viel
penetranter nach Produktionsband.
Das wird schon 2003 der Mazda RX-8, die
süßeste Versuchung seit dem Mazda MX-5, sehen. Der Verkauf des sportlichen
Viersitzers, der seine 210 oder 250 Wankel-PS ohne Aufladung produziert,
findet zum attraktiven Preis (30.000 bis 35.000 Euro) auch hierzulande
statt.
An Verkauf und Vermarktung wagt man beim Carver aus Stuttgart kaum zu
denken. Der grenzenlos kurvengeile Mercedes Roadster mit variablem Radsturz,
kraftvollem 3,2-Liter-V6 und einer optimalen Leistungs-Gewichtsrelation
bleibt auch in Zukunft, was er zurzeit ist: ein Forschungsmobil. Dagegen
steht der fast fünf Meter lange, markenatypisch opulent ausstaffierte Space
Liner der verlustreichen Mercedes-Tochter Mitsubishi für das
Mitsubishi-Design der nahen Zukunft. Die weiche Linienführung ist
französisch, der neue Designchef Olivier Boulay auch. Ein weiterer Ausblick
auf die Zukunft aus dem Hause Daimler-Chrysler setzt dagegen voll auf Kante:
Chrysler schenkte sich das zweite Willys Conceptvehicle zum 60.
Jeep-Geburtstag. Schon der bodenständige Antrieb, der auch im Mini Cooper
verbaute, kommpressorgeladene 1,6-Liter-Motor mit 163 PS, und die Tatsache,
dass Chrysler bei der Umsetzung von Konzeptfahrzeugen - siehe Viper und
Prowler - nicht lange mit der Produktion fackelt, lässt auf einen
nahe stehenden Baubeginn schließen.
Das Jahr der Schlange ist ferner: Der sich wild
windende, 1,14 Meter flache Supersportwagen Orochi (japanisch: “Schlange“)
der Automobilmanufaktur Mitsuoka, die ansonsten gemeine Nissans zu
originellen Autos in Sechziger-Jahre-Optik veredelt, schaut nach V12 aus, hat tatsächlich aber gar keinen Motor.
Dabei stände ihm die kostspielige Potenz des VW W12 Coupés, dass als
serienaher Prototyp in Tokyo gezeigt wurde, ebenso - der als Mittelmotor
verbaute 6,0-Liter-Zwölfzylinder des ganz und gar nicht fürs Volk gebauten
Volkswagens mobilisiert bei 7.000 Umdrehungen 600 PS. Das macht den W12 350
km/h schnell, aber auch etwa 180.000 Euro teuer - wenn es überhaupt (ab
2004) zu einer Kleinserie kommt. Preiswerteres plant Nissan in den nächsten
zwei Jahren: Der neue Fairlady Z (Z350), der mit einem sonor klingenden und
280 PS starken 3,5-Liter-V6 ausgestattet wird, geht im Sommer 2002 zuerst in
den USA in den Handel. Der noch spektakulärere Nissan Skyline GT-R, ein
Angriff auf Porsche&Co. (400 PS, Biturbo-Motor, Allradantrieb), wird
voraussichtlich erst ab 2004 in Japan verkauft.
Auf den Suzuki Covie - einen Diva gewordenen Smart - darf
man hierzulande hingegen genauso wenig hoffen wie auf den trendigen Lapin im
für Japan so charakteristischen 3,40-Meter-Fomat.
Hinter der nicht sehr erregenden Buchstabenfolge FXS
steht das, mit jährlich 3,4 Millionen auf dem heimischen Markt verkauften
Fahrzeugen, größte japanische Produzentenformat - Toyota. Der wunderbar
unverschnörkelte Roadster, mit dem V8 des Lexus SC430 unter der unendlichen
Haube (286 PS), soll in zwei Jahren in Produktion gehen, auf den RSC aus dem
gleichen Hause, eine stämmige Kreuzung aus Geländewagen und Sportwagen,
wartet der amerikanische Markt schon inständig. Der kübelige Pod, eine
Koproduktion von Toyota und Sony, die ihrem Fahrer und ihrer Umwelt ihren
Seelenzustand via Display, Scheinwerfer, LEDs und mit hundsmäßig wedelnder
Heckantenne kundtut, ist und bleibt jedoch ein Unikat - wie die Mehrzahl der
über 70 in Tokyo gezeigten Studien und Konzeptfahrzeuge übrigens auch. (ta/er)