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Sportanlage Mercedes-Benz SLR
Die Typenbezeichnung "Gullwing" [Englisch: Möwenflügel] verkniff man sich beim kommenden Supersportwagen, denn der wieder auferstandene Vogel würde so nicht abheben: Die Neuauflage des Mercedes SLR, 1999 gezeigt als Coupé und Roadster, hat zwar die Flügeltüren der legendären 300 SL Gullwing und 300 SLR (1954/1955), aber eben nur seitlich angelegte. Seinem Potential als kapitaler Überflieger, dem eher der Ausverkauf als die Bruchlandung droht, wird dies nicht abträglich sein.
Fangio, Moss und Kling flogen mit dem 300 SLR schon in den 50ern wie die Derwische über die nicht immer koscheren Rennstrecken der Zeit. Trotzdem würde ihnen heute alles Fahrtalent wenig nutzen. Sie sähen aus ihren SLRs vom neuen SLR, weil sein fast 600 PS starkes Kompressor-Aggregat von AMG es mit einem müden Wimpernschlag erledigen würde, kaum mehr als das kurze Heck. Sie würden sich die Zähne ausbeißen an dem entrückten Beschleunigungsvermögen (3,9 s von 0 auf 100 km/h). Sie würden verzweifeln an der inbrünstigen Vehemenz von 5,5 Litern Hubraum und etwa 800 Newtonmetern Drehmoment. Der etwa 1,6 Tonnen leichte und 320 km/h flotte SLR deklassiert den alten SLR jedoch nicht allein was Motor, Fahrwerk und Datenblatt angeht, er ist auch unvergleichbar komfortabler. Ein Optimum an Sicherheit und Komfort lag besonders den Stuttgarter Autobauern bei der Entwicklung des SLR am Herzen, wogegen der englische Partner McLaren, wo der exklusive Supersportwagen auch in Kleinserie gebaut wird, äußerste Sportivität anpeilte. Der SLR wird mit einer elektrohydraulischen, besonders feinfühligen Bremsanlage, Bremsscheiben aus faserverstärkter Keramik, adaptiven Frontscheinwerfern und einem Fahrwerk mit reichlich Aluminiumanteil ausgeliefert.
Auch beim Karosseriekleid obsiegte der Goliath im Entwicklungsteam. Vor allem der doppelte, sich pfeilförmig in den Wind bohrende Doppel-Frontflügel und die Haltestreben unter der Bugspitze erinnern gleich auf den ersten Blick an die Vaterschaft von McLaren. Der Rest ist unzweifelhaft Mercedes-Klassik: Die doppelt modellierten Kotflügel, die extrem lange Motorhaube, das knapp geschnittene Passagierabteil und das kurze Heck hatte schon der erste SL. Das Design ist trotzdem unromantisch, präzise, schnörkellos. Retro schon, jedoch nur in Designzitaten wie den seitlichen Motorlufteinlässen oder den Stegen an den Außenspiegeln. Es besteht auch keinerlei Grund zur Melancholie. Der so aufgeräumt daherkommende neue Mercedes SLR kann ganz rational betrachtet alles viel besser als die alten SLs aus den 50ern - selbst Rennen gewinnen: Rennen um die Kassen der Reichen, die auch beim Sportwagen nicht auf den Stern verzichten möchten - gut angelegtes Geld, eine gute Sportanlage. Erstmals zu sehen: auf der IAA im September, Auslieferung: Anfang 2004, Auflage: maximal 500 Einheiten pro Jahr, Verkaufspreis: 360.000 Euro.
Weitere Informationen:
oder unter www.mercedes.de
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