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Autosalon Paris 2002 Concept Cars & Prototypen In Paris werden Trends gesetzt. Modische, kulinarische – automobilistische: Wie alle zwei Jahre präsentierte man auch in diesem Oktober am Porte de Versailles eine Reihe neuer Automobile. In diesem Jahr ungewöhnlich viele und ungewöhnlich bedeutende. Auffallend dabei: Teuer, groß und stark liegt im Trend. Klein und günstig weniger.
Ein Bentley war aufgrund seiner Kostspieligkeit schon in der Vergangenheit kein Automobil der Massen. Dass nun gerade dieser Automobilhersteller unter der Dachmarke Volkswagen firmiert, hat zwar Wortwitz, tut Bentley aber sichtlich gut. Allein schon wegen des hohen Technik- und Entwicklungspotentials, dem der brandneue Continental GT auch seinen 500 PS starken 6,0 Liter-W12-Motor verdankt. Damit ist das 150.000 bis 180.000 Euro teure Coupé schneller als jeder Bentley zuvor (290 km/h, 0 – 100 km/h unter 5 s). In der zweiten Jahreshälfte 2003 geht der von Dirk van Braeckel gezeichnete Continental GT in Produktion. Besonderheit des Bentley Coupé: Großzügige Platzverhältnisse im Innenraum und ein ansprechend großes Gepäckabteil (355 l). Der Geräumigkeit des Bentleys steht der eben so aufregend geformte Citroen C-Airdream in nichts nach. In dem 2+2-Sitzer lassen sich die Kinder auf den hinteren Klappsitzen mal ganz locker wegklappen, sodass Platz für das Gepäck frei wird. Auch sonst ist der vehement verglaste Franzose aufgrund seiner Drive-by-Wire-Technik ein sehr pragmatisches Automobil: Pedale gibt es gar keine mehr. Per Schalter oder Wippe am Lenkrad wird geschaltet, beschleunigt und gebremst. Beim Einparken benötigt man lediglich eine halbe Lenkraddrehung vom rechten zum linken Anschlag. Im Vorderwagen sitzt der bekannte 3,0-Liter-V6-Motor mit 210 PS. Chancen auf die Serie hat der aerodynamisch geformte Viersitzer (Cw-Wert: 0,28), der ganz entfernt an den graziösen Citroen SM (1970 – 1975) erinnert, auch damit kaum. Ebenso wenig für die Serie gebaut, wurde der erstmals in Paris gezeigte Maserati Trofeo. Zum Einsatzort des V8-Coupés erkor man die Rennstrecke. Das Datenblatt riecht förmlich nach Gummi: Motorleistung 413 PS, Topspeed über 285 km/h. Das Sicherheitspaket ist umfassender als bei der Basisversion Cambiocorsa, das Gewicht geringer. 26 von Maserati präparierte Coupés starten im Vorprogramm von Formel 1- und FIA-GT-Meisterschaft (sieben Rennen 2003). Ein echtes Einzelstück ist dagegen der Lancia Granturismo Carcerano. Entwickelt wurde der 2+2-Sitzer von der italienischen Designschmiede Carcerano, dem Karosseriebauer Maggiora und dem Centro Stile Lancia. Wenn das formschöne Fahrzeug eine Zukunft hätte, hieße diese in Lancia-Tradition „HPE“ (High Performance Estate). Ein Auto, welches seine Zukunft eigentlich schon lange hinter sich hat, ist das Volga V12 Coupé. In 17 Monaten entstand auf der Basis eines Volga GAZ-21 von 1957 ein 250 km/h schnelles Sportcoupé im 007-Stil. V12-Motor und Body des Exoten stammen von BMW (850 CSi, 380 PS). Umgebaut wurde der Volga von dem Karosseriestylisten A:Level aus Bakova (Region Moskau) - damit ist der rabenschwarze Volga Russlands erstes Musclecar. Ganz im Gegensatz zum russischen Retrocoupé trägt der 607 Pescarolo von Peugeot die Muskeln unter der Haut. Dort bebt es jedoch heftig: Der vom Pescarolo C60 Le Mans-Rennwagen entliehene Motor (V6 mit 400 PS) ist ein echter Brüller. Den Auspuff gibt es im Doppelpack, die extreme Bereifung (245/45R19) versteht sich fast von selbst. Im Vergleich mit der Straffheit des Pescarolo wirkt die ausladende Form des Hyundai-Konzeptfahrzeugs HCD-7 barock. Die 4,96 Meter lange Luxus-Limousine dürfte einen Ausblick auf den neuen Hyundai Centennial (Verkauf zurzeit nur in Korea) geben. Grund zu dieser Annahme gibt auch das baugleiche, auch im HCD-7 verbaute V8-Triebwerk (4,5-Liter, 270 PS). Die beiden Sportfahrzeuge des gerade aus dem Konkurs erwachten französischen Herstellers Venturi sind ebenso keine Kinder von motorischer Traurigkeit: Die 180 PS des bereits in Genf gezeigten Sportwagen-Prototyps Fetish sind wenigstens unter dem Gewichtsaspekt (850 kg) umwelterträglich. Die zweisitzige Studie von Venturi, Grand Prix genannt, fällt zwar in die gleiche Gewichtsklasse (850 kg), schert sich aber mit 310 PS und ofenrohrähnlicher Auspuffanlage ein Dreck um Lärmpegel und Umwelt. Die Höchstgeschwindigkeit des Venturi Grand Prix liegt je nach Getriebeabstimmung bei 255 bis 285 km/h. In 4,2 Sekunden soll der Roadster Tempo 100 erreichen. Auch das Suzuki Concept S hat mehr Rennbenzin als Umweltphilosophie im Blut. Schaltung und Handbremse sitzen griffschnell am Steuerrad. Ein vierzylindriger Vollaluminium-DOHC-Saugmotor treibt den kompakten Japaner mit hohen Drehzahlen voran. Die hohe Motorleistung (etwa 150 bis 200 PS), das geringe Gewicht (800 bis 900 kg) und das gesunde Breitenmaß (1,73 m) machen den smarten Mini zum Heroen der Spitzkehren. Die Studie gibt einen Ausblick auf ein Serienmodell. So reichhaltig motorisiert und ausgestattet (permanenter Allradantrieb, 18-Zoll-Räder, sequentielles Sechsgang-Getriebe), sieht der Suzuki S jedoch kein Produktionsband.
Als Kontrapunkt zum speedigen Ostasiaten steht der Leichtbau, der in Rüsselsheim betrieben wird, im vollen Einklang mit Renncircuit und Natur: Der Opel Eco-Speedster geht Tempo 250 und kommt im Schnitt mit 2,5 Litern Diesel über die Runden. Der 112 PS starke 1,3-Liter-Ecotec-Motor - übrigens der weltweit kleinste Diesel-Vierzylinder - ist einer der Gründe für das märchenhafte Geschwindigkeit-Verbrauchd-Verhältnis. Drei weitere sind die geringe Bauhöhe (0,95 m), der fabelhafte Cw-Wert der Langheckkarosserie und das sehr geringe Fahrzeuggewicht (660 Kg). Weil das Auto so nahe am Boden kauert, wurden aus den Standard-Türen des Serien-Speedsters attraktive Flügeltüren. Die Türen des Sivax Roadsters sind von konventionellem Zuschnitt. Konzipiert für das Cruisen in Tokyos Mega-Staus, fällt der Windschutz (zwei Frontscheibenhöcker) äußerst dürftig aus. Unter der Motorhaube des edel und extravagant ausgestatteten „Streetsters“ werkelt ein gemeiner Zweiliter-Benziner aus japanischer Produktion. Auf die Fertigung des 307 cc müssen die Fans der Marke Peugeot nicht mehr lange warten. Wie der kleine Bruder 206 cc ist der seriennahe Viersitzer mit seinem aufklappbaren Blechdach echtes Cabriolet und echtes Coupé in einem. In Sachen Raumangebot und Eleganz deklassiert er den 206 cc locker lässig, weil er mit 4,32 Meter deutlich länger ausfällt. Im Bug des Prototyps sitzt ein Zweiliter-Vierzylinder-Motor mit etwa 180 PS. Ebenso auf zwei Liter Hubraum, aber lediglich 100 PS bringt es der Motor des 3,7 Meter kurzen Lada Roadster. Sein Hardtop ist ebenfalls faltbar. Ob aus dem Zweisitzer mehr wird als ein Konzeptfahrzeug, entscheidet weniger der Publikumszuspruch als die angeschlagene Finanzkraft des russischen PKW-Herstellers. Der unwirklichen Weite der sibirischen Tundra folgend, einige tausend Kilometer weiter im Osten, produziert der koreanische Hersteller Kia fleißig Großserie. Ob der KCV-II, eine zumindest originelle Cross-Over-Studie, für die Montagelinie taugt, wird sich weisen. Das in der Länge 4,5 Meter messende Fahrzeug ist Pick-up, SUV und Coupé in Personalunion. Dem Designtrend folgend, fehlt die B-Säule. Ungewöhnlich sind die gegenläufig aufschwenkenden Schmetterlings-Türen. Mit den weichen Rundungen zielt Kia nach eigenem Bekunden auf die weibliche Kundschaft. Der 195 PS leistende 3,5-Liter-V6 des Allradlers soll das andere Geschlecht bei Laune halten. Im Gegensatz zum vermutlich schluckfreudigen Kia geht bei der Fahrt im nochmals einen halben Meter längeren Hy-Wire von General Motors nicht mal Benzin drauf. Bei GM mutmaßt man, dass Fahrzeuge mit Brennstoffzelle ab 2010 im größeren Umfang in den Verkauf gehen. Im Hy-Wire produzieren 200 in Reihe geschaltete Brennstoffzellen 215 Newtonmeter oder knapp 82 PS. Nicht zuviel für 1,9 Tonnen Auto. Die verbaute Überdosis Drive-by-Wire-Technologie lässt die Insassen zudem völlig kalt: Das futuristische Interieur entbehrt jedes Wohlfühlfaktors. Viel mehr Nestwärme vermittelt da das jüngste Concept Car vom GM-Konkurrenten Chrysler (Basis: PT Cruiser): Die fröhliche Zweifarbenlackierung, der zweifarbige Innenraum, ordentlich Karosserie-Tiefgang und der kernige Kühlergrill machen das Konzeptfahrzeug California Cruiser zum echten California Dreamboy. Renaults Limousinen-Konzept Ellypse strahlt vergleichbar frohgemut, macht seinen Fahrer darüber hinaus aber auch noch an der Tankstelle zum glücklichen Menschen: Im Schnitt 3,2 Liter Verbrauch sind der Grund. Ermöglicht wird dies durch den leichtgewichtigen Aufbau und den 98 PS starken Turbodieselmotor (1,2 Liter Hubraum). Ähnlich politisch korrekt ist das Innenleben des knuffigen Franzosen: Im Dach sitzen Solarzellen. Die hintere Tür auf der Beifahrerseite schlägt je nach Gusto rechts oder links aus. Im wellenförmig geformten Wagenboden verschwinden die Sitze auf Knopfdruck, und die Kopfstützen lassen sich auch als Kopfkissen gebrauchen - der Renault Ellypse ist einer der wenigen PKWs, wo der Sekundenschlaf des Fahrers Stunden dauern kann.
Eher ein Auto bei dem es oft um Sekunden geht, stellt sich der direkte Konkurrent Peugeot auf den riesigen Messestand. Der knallrote H20 ist ein ultramoderner Feuerlöscher. Gebaut für die Brandbekämpfung in der Stadt. Zwei Feuerwehrmänner finden im Fahrerhaus Platz. Dahinter befinden sich ein Wassertank, eine Leiter und Hilfsmaterial. Am ungewöhnlichsten an dem Feuerwehrmobil, das in allem - nur nicht in der Dimension (4,30 m) - an amerikanische Löschzüge erinnert, ist der Antrieb: Eine Batterie und eine Brennstoffzelle. Ein anderes Sonderschutzfahrzeug, diesmal vom Mitsubishi-Stand, setzt der Kundschaft mit viel zünftigeren Mitteln zu: mit Leistung (280 PS), mit Leistung (0 – 100 km/h: 4,8 s) und nochmals Leistung (V-max: 253 km/h). Ein Lancer Evo VII im Polizei-Trimm und im Rückspiegel ist ein guter Grund, jeden Fluchtversuch zu unterlassen. Beim zweiten in Paris gezeigten Polizeiauto aus japanischer Produktion hat selbst der potentielle Täter nichts zu lachen: Weil ein Mord schon Stunden vor der Tat auf dem Videoscreen zu sehen ist, unterbinden die Beamten der „Pre Crime“-Einheit („Minority Report“: Steven Spielberg, Tom Cruise) jede Tat schon vor der realen Ausführung. Damit wird der Mörder zum Mörder ohne Mord. Dass dieser Täter ohne Tat auch noch von einem Elektroauto zur Strecke gebracht wird, erscheint nur aus heutiger Sicht illusionär, denn der Lexus Modelljahrgang 2054 hat lässige 680 Elektro-PS. Und damit in etwa soviel Leistung wie die Boliden der nahen Zukunft: Mercedes SLR und Porsche Carrera GT (2003) kommen auf etwa ein halbes tausend PS, der neue Bugatti (2004) sogar auf das volle Tausend – was die Anfangsbehauptung voll stützt: Groß und stark liegt im Trend. (er) Weitere Informationen unter:
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