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Im Februar 1954 fällt auf der „International Motor Sports Show“ in New York am Stand von Mercedes-Benz genauso viel Licht auf den neuen 190 SL wie auf den daneben platzierten Supersportwagen 300 SL. Das im Februar 1954 in New York gezeigte Exemplar des 190 SL, entworfen von Karl Wilfert und Walter Häcker, ist ein Prototyp, der weder technisch erprobt noch stilistisch ausgereift ist. Nach dem großen Zuspruch in New York zeigt Mercedes im März 1955 auf dem Automobilsalon in Genf die endgültige Ausführung, die sich vom Prototypen deutlich unterschiedet: Die stilisierte Ansaughutze auf der Motorhaube ist nicht mehr, über den hinteren Radausschnitten thronen nun Lanzetten, die Stoßstangen, Blinker und Rückleuchten wurden modifiziert. Das Werk Sindelfingen produziert bereits seit Januar 1955 die Vorserie. Die ersten Serien-190er kommen aber erst im Mai auf den Markt.
Die Basis für den kleinen SL liefert der „Ponton Mercedes“ der Baureihe W 120. Obwohl der 190 SL (W 121) dem großen 300 SL (W 198) wie aus dem Gesicht geschnitten scheint, trägt ihn kein aufwändiger Gitterrohrrahmen, sondern die verwindungssteife Rahmenboden-Anlage der Limousine. Für gute Fahreigenschaften sorgt die bereits vom Typ 220a bekannte Eingelenk-Pendelachse mit tief gelegtem Drehpunkt. Die Vorderradaufhängung einschließlich des Fahrschemel-Konzepts hat man vom Typ 180 übernommen.
Rasch wird der 190 SL, speziell auf dem amerikanischen Markt, sehr beliebt. Zunächst gibt es ausschließlich den Roadster mit Stoffverdeck (Preis 1955: 16.500 DM). Im Herbst gesellt sich dann ein Coupé mit abnehmbarem Hardtop, wahlweise mit oder ohne Stoffverdeck, hinzu (1955: 17.650/ 17.100 DM).
Der Fahrer blickt über die niedrige Motorhaube auf die Fahrbahn. Die großen Instrumente liegen gut im Blick. Das Steuerrad ist ein Augenschmaus. Unter der langen Haube arbeitet ein neu entwickelter Vierzylinder mit 1,9 Liter Hubraum, oben liegender Nockenwelle und zwei Horizontal-Stufenvergasern. Das Triebwerk leistet bei einer Verdichtung von 8,5:1 105 PS. So motorisiert beschleunigt der 190 SL in 14,5 Sekunden von null auf 100 und erreicht eine Spitzengeschwindigkeit von über 170 km/h – damit ist man auf den Straßen der Fünfziger und Sechziger Jahre schon recht schnell unterwegs. Das Tankvolumen (65 l) stellt manchen Porsche, berüchtigt für den zu kleinen Tank, in den Schatten. Die von Mercedes angegebenen 8,6 l/ 100 km sind jedoch eher Wunsch als Wirklichkeit.
Die Sportvariante des Zweisitzers verbraucht schon gasfußbedingt mehr. Dafür ist sie schneller Geschichte als Mercedes lieb ist. 1955 findet sie sich noch in den ersten Verkaufsprospekten. Mit Türen aus Leichtmetall, kleinerer Renn-Windschutzscheibe aus Plexiglas und ganz ohne Verdeck. Demontierte Stoßstangen, Wärmetauscher und Dämmmaterial in Slimfast-Ausführung lassen den 190 SLR nur rund 1000 Kilogramm wiegen. Etwa 10 Prozent weniger als das Serien-Cabrio. Technisch wurde der Leichtbau-190 SL nur wenig verändert: etwas Feinarbeit am Motor, Tieferlegen der Karosserie, Sport-Stoßdämpfer und modifizierte Federn. Trotzdem versagt ihm die Oberste Nationale Sportkommission (ONS) die Sportlizenz, was schon im März 1956 dazu führt, dass der Sport-SL schneller als geplant wieder aus dem Prospekt verschwindet. Die gebaute Stückzahl, nur wenige Sportausführungen gelangen in Kundenhand, ist heute nicht mal mehr dem Stuttgarter Autobauer bekannt. Auch der Einsatz des 190 SL mit Dieselmotor (1961 wurden einige Dieselrekorde nach Schwaben geholt) datiert heute unter beinahe vergessener Automobil-Geschichte.
1963 fährt der letzte 190 SL aus der Fertigungshalle. Insgesamt sind es am Ende, anfangs nie erwartete 25.881 Stück geworden. Den Anfang unterscheidet damit vom Ende und der späteren Zeit nicht viel: Bis heute ist der 190 SL ein gerade noch so erfüllbarer Wunsch geblieben – im Motorrundschau-Jargon von damals: „ein Wunschtraum für Tausende, für die der 300 SL unerreichbar ist." (er)
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