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Die Kraft der Ruhe Test: Jaguar XJ 3.5 V8
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Manchmal steht ein einziger Schalter für das große Ganze. Hier ist es der automatische Geschwindigkeitsregler: vier Schalter, einfach zu bedienen, einfach zu verstehen – „Sie reisen mit 110 km/h“. Und schon hat man Zeit zu gedanklicher Reflektion: Für den Tempomat des Volkswagen Phaeton (Test: VW Phaeton 5.0 V10 Diesel) muss man fast studiert haben – sieben Schaltknöpfe. Nun blickt man weiter und zählt: Ein Drittel weniger Schalter und Steller als im Cockpit des VW. Misstrauische Erbsenzählerei? Nein, eine Mischung aus Vorwissen und Vorurteilen: Jaguar und Ergonomie – über die Brücke muss man erst mal gehen wollen. Und dann das. Man erreicht ohne Gram und Mühe das andere Ufer: Die mit großzügiger Linie gezeichnete 5,09 Meter-Karosserie berücksichtigt die elementaren Bedürfnisse nach Raum. Die Kopffreiheit ist nach gewohnten XJ-Maßstäben geurteilt besonders in der ersten Reihe eine Offenbarung. Insassen, die hinten mitreisen, tun es gerne, da es auch dort weder an Raum noch Komfort fehlt. Und wenn sie aussteigen, fällt die Tür, wie um sie mit all ihren Vormeinungen über die Qualität noch zu verhöhnen, satt ins Schloss.
„Ja, ich bin ein Jaguar“, steht dem XJ ins Gesicht geschrieben. Er erinnert an das Urmodell von 1968. Im Blick und im Grill an den Series Two (1973 – 1979). Trotz dieser ansehnlichen Retrospektive ist Jaguars große Limousine auf den modernen Zug, der sich da Innovation nennt, aufgesprungen – und prächtig gelandet: Die Karosse besteht aus Alu, die Federung dämpft mit Luft, die Pedale lassen sich elektrisch verstellen, der Monitor ist ein Touchscreen – und der Kompass am Dachhimmel wohl hauptsächlich für Amerikaner auf der Suche nach dem richtigen Weg bestimmt. |
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Die Sitzposition findet sich rasch, passt und ist bequem. Die Instrumente lassen sich besser ablesen, die Bedienung spielerischer bewältigen als beim Vorgänger. Die kalt fluoreszierenden Zeiger der Instrumente konkurrieren, wenn es dunkelt, mit der schicken Interieurbeleuchtung, um den elegantesten Auftritt.
Die aristokratische Limousine adelt ihren Fahrer mit Geschmack – oder was kann aus ein paar Planken edlem Holz, viel Leder und aus etwas Chrom in der Oberklasse besseres werden? Eine Designoffensive wie der 7er-Innenraum oder ein extravaganter Klassizismus wie das Phaeton-Interieur? Sie protzen mit augenscheinlicher Perfektion, der XJ hat Charme, ohne wie viele seiner Vorgänger, nonchalant das Perfekte zu vernachlässigen. Sein Luxus ist schlicht, britisch – trotz langer Garantiezeit (3 Jahre) aber nicht ganz stringent: Die Handgriffe oben am Dachhimmel sind von edler und gelungener Ausführung, das Brillenfach allerdings defekt - man würde ja sonst nicht glauben, in einem Jaguar zu sitzen. |
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