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S-Tipp

 

 

 

 

 

Test: Jaguar S-Type 2.7 Diesel

So ein Gesicht macht sich viele Freunde. Mit dem Dieselmotor, der zweite nach dem Debüt im X-Type, erhebt der Jaguar S-Type Anspruch auf Vernunft – der Jaguar S-Type 2.7 D mit 207 PS starkem V6-Biturbo-Diesel im Test.

Im September 1913 setzt er an zu seiner letzten Fahrt. Den Ruhm, den ihm seine Idee von 1890 im Laufe der Jahre einbringt, ist ähnlich hoch wie zuletzt seine finanziellen Nöte. Aufgebraucht von Geldsorgen, Patentprozessen und Arbeit geht der Erfinder der Verbrennungskraftmaschine auf einer Fährfahrt von Belgien nach England über Bord.

Das Lebensende von Rudolf Diesel ist tragisch, seine Erfindung groß und heute selbst dort voll im Antriebsgeschäft, wo vor Jahren noch nicht an eine selbstzündende Antriebseinheit zu denken war.

Der 207 PS leistende Jaguar-Dieselmotor wird in Kooperation mit PSA Peugeot-Citroen im britischen Ford-Werk Dagenham produziert. Seine Eckdaten: 2.720 Kubikzentimeter Hubraum, sechs Zylinder im V-Format, Common-Rail-Einspritzung, 24 Ventile, Biturboaufladung, Lader mit variabler Geometrie. Sein Auftrag: Auch mit dem eher rustikalen Verbrennungsprinzip den in einem Jaguar charakteristischen Weltenübergang, von einer draußen noch hektischen und stressigen Welt in eine innere ruhige, beinahe meditative, beim Einsteigen nicht zu stören. Sein Rüstzeug: ein Motorblock aus Gusseisen und Vermikulargraphit, eine doppelwandige Ölwanne und ein zweifach schwingungsgedämpftes Motorlager. Das Resultat: sehr geglückt, sehr erfreulich. Seine ersten Antworten gibt der Diesel nach dem Zündschlüsseldreh laufruhig und vibrationsarm beinahe als Benziner, so dezent zündet er unter der Haube. Dass man alsbald vergisst in einem PKW mit Dieseltriebwerk zu sitzen, ist dabei schon die eigentliche Glanzleistung. Das, was man zu hören bekommt, der Beweis für guten Geschmack auch bei der Abstimmung: lasziv bis barockes Säuseln, zwei stimmig pfeifende Lader und ein in tiefen Oktaven schlurfender V6.

Mit seinem gehörigen Schub aus dem Drehzahlkeller (435 Nm bei 1.900/min) und einem vergleichsweise milden Durst (Testverbrauch: 9,7 Liter) macht der 40.400 bis 47.900 Euro kostende S-Type 2,7 Liter V6 Twin-Turbo-Diesel den trinkfreudigen 3,0 Liter-V6 (238 PS, 48.800 €) fast obsolet. Und selbst der idealtypische 4,2 Liter-V8 (298 PS, 56.700 €) wird von dem S-Type-Einstiegsmotor in den Kriterien Verbrauch und Kraftentfaltung im Drehzahlkeller (V8: 411 Nm bei 4.100/min) zumindest ein Deut in Frage gestellt.

Das Sportfahrwerk des Testwagens (460 € Aufpreis) erweist sich, entgegengesetzt der heutigen Geflogenheit Sportfahrwerke sehr oft zu hart abzustimmen (beispielsweise bei Audi und BMW), als gelungener Kompromiss zwischen Straßenlage und Komfort – und als sehr gute Alternative zum mit neu abgestimmten Dämpfern und Federn auf den gewichtigeren Dieselantrieb (202 kg) vorbereiteten Serienfahrwerk. Das etwas härtere Abrollen und manchen vom Belag hergeleiteten Stoß kann man als fahraktiver Kunde getrost in Kauf nehmen. All das wird mit einem spürbaren Gewinn an Straßenlage und Fahrwerksagilität mehr als aufgewogen.

Der Druck auf das ansonsten gut zu dosierende Bremspedal geschieht, vom S-Type gewohnt, streng subjektiv etwas zu geschmeidig. Die dezent das Fahrgeschehen regelnde Sechsgang-Automatik (Serie im Executive, 2.030 € Aufpreis im Classic) inklusive Handschaltgasse und das Drehniveau anhebender Sport-Taste (mit zu kleiner Kontrollleuchte) empfiehlt sich schon wegen des Wiederverkaufwerts. Mit dem etwas knochigen Sechsgang-Handschaltgetriebe wird der Kraftfluss des 2,7 Liter-V6-Biturbodiesels jedoch noch eindrucksvoller in Szene gesetzt. Hier hängt der 2,7 Liter Diesel, der vom Automaten ansonsten schon fünfhundert Umdrehungen früher bei etwa 4.500/min abregelt wird, bis Höchstdrehzahl 5.000 deutlich spontaner und wohl tönender am Gas.

Doch gerade die Getriebeautomatik ist Bestandteil der auf Komfort bedachten Leichtigkeit des Seins. In der Peripherie des dick ledernen Volants mit der fletschenden Großkatze auf der Prallplatte stellt es sich rasch ein, das so eigene Gefühl, Jaguar zu fahren: Sanfte Gangwechsel, weich das Ausfedern der Karosse und die schon beschriebene Stille – man fährt durch diese Welt, aber man ist in einer anderen. Einer besseren. Einer mit echten Ledernähten auf dem Armaturenbrett, einer in bequemen Clubsesseln und einer, in der sich die vielen Helfer wie etwa die elektrisch verstellbaren Pedale, die elektrische Feststellbremse oder die im Executive 16-wegige Sitzverstellung des Fahrersessels (in der Basisvariante Classic: sechs Verstelloptionen) voll und ganz dem Herr im Automobil unterordnen.

 

Die letzte Überarbeitung des seit 1999 gebauten S-Type hob die schon von Geburt an ausgewogen proportionierte Limousine endgültig in den Klassiker-Himmel. Vieles für den S-Type Charakteristische blieb dabei erhalten: etwa die selbst für Sitzriesen kommoden, in der Sitzauflage sehr flach bauenden Sessel in der ersten Reihe, die durch den Kardantunnel de facto verordnete Viersitzigkeit (zugelassen: 5 Personen) und der wegen der nach hinten abfallenden Dachpartie einschränkte Kopfraum im Fond. Die Modifikationen und Retuschen an Interieur, Karosserie und Grill und die erfahrbare Ausgereiftheit des S-Type-Konzepts – Liebe zum Detail und gute Verarbeitung standen nicht zu jeder Zeit für die Marke mit der Katze im Emblem – runden den positiven Eindruck ab. Dass ein Dachhimmel, wie gelegentlich erlebt, schüchtern knistert, sei der schönen Karosse verziehen. Das Navigationssystem so nicht. Das große Touchscreen mit großen Sensorfeldern lernt man alsbald schätzen, die nette Damenstimme weniger: Auf in die Sackgasse wegen zeitweiser Desorientiertheit? Autobahnabfahrt verpasst wegen Zuspätmeldung? „Sehen Sie in der Karte nach“ – ein Tipp für den man nicht 2.820 Euro investiert hat.

Dagegen erfreut das Audiosystem (Alpine) mit hoher Güte. Und fast alles andere drum herum ebenso: Der Jaguar S-Type 2.7 V6 Diesel (Partikelfilter, EU4) ist eine der sehr seltenen Automobile auf dem Markt, bei dem sich scheinbare Gegensatzpaare – Kraft und Vernunft, Diesel und Laufkultur, Schönheit und Alltagstauglichkeit – wundersam vereinen. Den formidabelen V6-Biturbo-Diesel darf man anderswo erstmal suchen. Jaguar betritt auch mit diesem Dieselaggregat, früher gemieden, heute vom europäischen Markt gefordert, Neuland und ist trotzdem sogleich Spitze in der selbstzündenden Oberklasse. Mit dem historisch gewachsenen Heimvorteil der schönen Karosserie: Sicher kann man noch etwas weniger verbrauchen, aber doch eher selten schöner fahren. (le)

 

Weitere Informationen:

Jaguar XJ 3.5 V8

Jaguar X-Type 2.0

Jaguar R Coupé

 

 

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 Technische Daten 

Motorbauart/ Zylinderzahl

V6-Biturbo, Frontmotor längsr

Hubraum                                                              cm3

2720

Leistung                                               PS bei 1/min

207 bei 4000

Maximales Drehmoment                   Nm bei 1/min

435 bei 1900

Kraftübertragung

Heckantrieb

Länge x Breite x Höhe                                        mm

4905 x 1819 x 1148

Radstand                                                             mm

2909

Leergewicht/ Zulässiges Gesamtgewicht        Kg

1734/ 2255

Kofferraumvolumen nach VDA                           L

400

Tankinhalt                                                               L

69,5

Testverbrauch                                                        L

9,7

Beschleunigung  0 - 100 km/h (Werksangabe)  s

8,5 (8,6; Automatik)

Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe)     km/h

230 (227)

Grundpreis                                                        Euro

39.900

Internetadresse Hersteller

www.jaguar.de

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