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Schröders Panzerwagen Der AUDI A8 des Bundeskanzlers
Am 20. April 1995 explodiert eine ferngesteuerte Autobombe im Zentrum von Madrid. Das Ziel des Anschlags, der gepanzerte Wagen von José Maria Aznar, damals spanischer Oppositionsführer und heute Regierungschef. Das Auto ist völlig zerstört, Motor- und Kofferraumhaube aufgesprengt, alle Seitenscheiben zerplatzt, die Karosserie stark deformiert. Die Panzerung verhindert Schlimmeres. Aznar entsteigt dem Sonderschutzfahrzeug, einem Audi A8, nur leicht verletzt. Auch sein deutscher Amtskollege, Gerhard Schröder, vertraut auf Audi. Als erster deutscher Kanzler. Mit seiner Alukarosserie und dem Aluminiumfahrwerk und dem daraus resultierenden Mindergewicht hat der Audi A8 gute Anlagen für die Panzerung. Der A8 ist trotz des gewichtigeren Quattro-Antriebs in der Serienversion 200 Kilogramm leichter als die Konkurrenten aus München und Stuttgart. Ein BMW 750i (Vormodell) wiegt 1960, ein Mercedes S500 1935 Kilogramm. Der Audi A8 4,2 Quattro ist mit 1750 Kilogramm das Leichtgewicht in der Oberklasse.
Schon im Oktober 1998 erhielt Schröder ein Modell, des erst im Januar 1999 in den Handel kommenden neuen Audi A8 - der erste Dienst-Audi eines deutschen Kanzlers (Kohl fuhr privat Audi). Der Dienstwagen Schröders, ein 4,2 Quattro, leistet 310 PS, ist 13 Zentimeter länger und gepanzert eine Tonne schwerer als der Serien-A8. Der Audi wurde bei Trasco in Bremen, der Firma, die schon Anfang der achtziger Jahre die Typen 100 und 200 und Anfang der Neunziger den Audi V8L zum Sonderschutzfahrzeug umbaute, modifiziert. Das Fahrzeug ist voll gepanzert und entspricht der Beschussklasse B6/B7. Die Klassifizierung der Beschussklassen, der Beschusstest, der Einkauf und die Verteilung der Sonderschutzfahrzeuge obliegt dem Bundeskriminalamt (BKA) in Wiesbaden. In harten Fakten übersetzt sich die Beschussklasse so: Ein leicht gepanzertes “B4”-Fahrzeug (dazu zählen der Audi A6, der BMW 540i und der Mercedes E320 und E430) widersetzt sich Revolvermunition des Kalibers 0.44 Magnum. Eine voll gepanzerte Limousine mit dem Titel “B6/B7” (Audi A8, BMW 750iL, Mercedes E430, S500L, S600L Pullman) soll Anschlägen mit Maschinenpistolen, Gewehren, Handgranaten, Sprengstoff, Molotowcocktails und einem Kaliber von 7.62x51 standhalten.
Der Aufwand ist erheblich und hochpreisig.
Ausgenommen von Karosserieform und Motor unterscheiden sich diese rollenden
Festungen ganz erheblich von der Serie und den leicht gepanzerten Wagen:
Die Panzerung ist lückenlos, selbst die Fugen gepanzert. Das Fahrwerk wird
verstärkt, der Fahrzeugboden ist antimagnetisch gegen Haftminen gepanzert.
Die Sicherheitskapsel aus einem Aramid-Stahl-Verbund lässt “nicht einmal
Handgranaten auf dem Dach oder am Boden eine Chance”, verspricht das
Prospektmaterial. Was der Prospekt verschweigt und auch die Hersteller
ungern preisgeben: Ein voll gepanzerter Audi A8 (Preis des Serienmodells:
77.500 Euro) kostet etwa 250.000 Euro. Ein verhältnismäßig attraktiver Preis:
Mercedes veranschlagt für einen voll gepanzerten S600L Pullman etwa 600.000
Euro.
Die Möglichkeiten, den Preis nach erfolgter Panzerung weiter nach oben zu treiben, sind zahlreich: Eine Blaulichtanlage, eine Wechselsprechanlage und ein Feuerlöschsystem für Motorraum und Unterboden gehören fast zum Standard. Eine Fernsteuerung für den Fernstart des Motors, Reizgas-Sensoren und ein Reifen-Notlauf-System ebenso. Optionale Schießscharten in Form von drei Kugellafetten in den Türen und ein Waffenschrank in Form einer Waffenhalterung innerhalb der hinteren Mittelarmlehne sind für den Audi A8 erhältlich. Auch der optionale Notausstieg wurde bei Audi und BMW bedacht: Eleganter geht es im A8 durch die Türen, die sich einzeln heraussprengen lassen, nach draußen. Rustikaler im 750iL, durch die weg gesprengte Frontscheibe.
Kanzler Gerhard Schröder erhielt die gepanzerte Langversion des A8 kurz vor der Vereidigung. Schon als Ministerpräsident fuhr er “aus alter Verbundenheit zum VW-Konzern” Audi A8. Zwei Fahrer bewegen die streng “personengebundene” Limousine des Kanzlers. Schröders Reich ist der Fond, denn so versichert Hans-Peter Gärtner, Ministerialrat im Kanzleramt: “Fahren, das darf er nicht”. Zwei Exemplare des A8 - einer zusätzlich vom BKA angemietet - stehen für den Kanzler in Berlin und Bonn bereit, ein weiterer Mercedes in Hannover. Alle nur in der schwer gesicherten Version, denn für Schröder “muss es ein Panzerfahrzeug sein”, - und das “nicht nur aus Hobby!”, betont Gärtner. Nutzt der Kanzler im Innland das Flugzeug - und das vermutlich häufiger als Kohl: “Kanzler Schröder fliegt gern” (Gärtner) -, folgen ihm die Wagen auf dem Landweg zum Zielflughafen. So sammelt der Kanzler-A8 auch ohne die bedeutende Fracht reichlich Kilometer. 80.000 bis 100.000 Kilometer sind es jedes Jahr. Dem Autoleben setzt das Finanzministerium ein Ende. Stehen 500.000 Kilometer auf dem Zähler, ist die “Grenze der Wirtschaftlichkeit” erreicht, und ein Technischer Beamter des Ministeriums beendet mit einem Gutachten den Dienst des Kanzlerwagens. Ohne geht nichts: Auch bei zeitweiser Angeschlagenheit, etwa durch einen Unfall, richtet ein Beamter oder der immer im April aufgestellte Jahreshaushalt per Gutachten über Reparatur oder Dienstende. In der Regel vergehen bis dahin fünf Jahre. “Wir hatten auch schon Kanzler, die es auf 10 Jahre gebracht haben”, blickt Ministerialrat Gärtner zurück. Kohl brachte es auf 16 Jahre und verschliss dabei einige Mercedes-Limousinen. So bleiben Gerhard Schröder für die Zukunft noch einige A8, denn Audi-Fahren möchte er auch dann. Ob dienstlich, oder nur - wie auch Kohl - privat, darüber wird erst wieder im September entschieden. Zurzeit herrscht im Kanzleramt Zuversicht: “Der A8 läuft bis jetzt gut”. (er) r Weitere Informationen:
oder unter www.audi.de
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