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Agenda V10

Test: VW Phaeton 5.0 V10

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der mit dem schweren Diesel im Bug frontlastige Phaeton lenkt erfrischend exakt und direkt ein. Bei hohen Tempi vermittelt die Servolenkung durch eine präzise und feinfühlig bestimmte Mittellage ein hohes Maß an Sicherheit. Nur im niederen und mittleren Geschwindigkeitsbereich entkoppeln die Servos der sehr leichtgängigen Lenkung die Limousine zu sehr vom Fahrbahnbelag. Auch die Bremsanlage könnte in ihrer Dosierbarkeit im ersten Drittel des Pedalwegs weniger undefinierte Teigigkeit an den Tag legen – was mehr ein subjektives Gefühl als eine Kritik an der beachtlichen Bremskompetenz des Phaeton ist.

 

Der Sechsgang-Schaltautomat gehört fraglos zum Besten, was der Markt hergibt: Die Schaltvorgänge gehen dort vonstatten, wo es sich für diese Klasse gehört: im Verborgenen. Der Automat schaltet sehr zügig hoch in den sechsten Gang und genauso geschwind, auch mal locker um drei Gangstufen, wieder zurück. Der noch flotter die Gänge wechselnde und höher drehende Sportmodus (plus 500/min) schenkt dem V10 nochmals einige Newtonmeter mehr ein in die schon reichlich gefüllten Becher und macht den Phaeton mit diesem Drehzahlzuschuss nochmals agiler.

Die Schaltkulisse ist ein Gedicht fürs Auge, der breite Griff des Automatik-Schalthebels, ganz in Leder, ein wunderbar altmodischer und galanter Handschmeichler. Überhaupt die serienmäßige Lederausstattung: Weicher und geschmeidiger geht fast nicht, kommoder vorne dank Lordosenstütze, Sitzheizung, Sitzventilation und dicker Kopfstütze auch kaum. Alles andere, was sich dem Auge kundtut, fühlt sich - bis auf den billigen Entsicherungshebel der Fußfeststellbremse – auch so an, wie es aussieht: edel. Verarbeitungsqualität ist kein Thema, sondern gegeben. Ebenso erübrigt sich nach Beschau von Handschuhfach (überdimensioniert), dem Mittelfach in Schminkkoffergröße und dem klassengerecht formatierten Kofferabteil (500 l) eine Diskussion über fehlende Ablagen.

 

 

 

 

Die klassisch schönen Rundinstrumente liegen exakt im Blick, die Einparkhilfe macht das unübersichtliche Heck vergessen, die Armada von rund 90 Schaltern, Drehreglern und Stellern in Fahrerreichweite stellt hohe Anforderungen an das Erinnerungsvermögen des Piloten und macht das Bedienhandbuch ein pfundiges Kilogramm schwer und fünf Zentimeter dick – trotzdem erschließt sich die direkte Bedienlogik viel eher als das unter seiner Indirektheit leidende iDrive von BMW. So lässt sich im Phaeton auch der wunderbar indirekte Luftzug mit einem Handgriff für alle Plätze, selbst die hinteren (den Phaeton gibt es als Vier- oder Fünfsitzer), individuell einregeln.

 

Im Fond hat man auch mal das Gefühl Bundeschef zu sein, denn der Kanzlerkomfort überzeugt: Hohe Rückenlehnen, breite Mittelarmlehne und viel Raum für Haupt und Beine. So lässt sich auch trefflich im Reformstau stehen, Herr Schröder.

 

Kurzum: Der VW Phaeton und der 5,0 Liter-V10 sind eine Koalition ohne lächerliche Parteistreitigkeiten und klein karierte Widersprüche: viel Leistung, akzeptabler Verbrauch (13,6 l). Die etablierte Opposition von Mercedes und BMW hat - wie realparlamentarisch die Unionen CDU und CSU - nichts Vergleichbares und Besseres im Angebot. Stände der Kanzler so prächtig da wie sein Automobil mit Dieselmotor, wäre es keinem bange ums Land.

 
Text: le / Fotos: am
2003
 

kurzcheck☺☺☺☺☺☺*

 

Leistung (PS bei 1/min)

313 bei 3.750

Maximales Drehmoment (Nm bei 1/min)

750 bei 2.000

0 - 100 km/h (Werksangabe; s)

6,9

Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe)

250

Testverbrauch (l)

13,6

Kofferraumvolumen (l)

500

Mängel am Testfahrzeug

keine

Fahrdynamik

☺☺☺☺☺☺

Komforteindruck

☺☺☺☺☺☺

Emotion

☺☺☺☺☺☺

Alltagsnutzen

☺☺☺☺

Familientauglichkeit

☺☺☺☺☺

Sparpotential

☺☺

Preis-Leistungs-Verhältnis

☺☺☺☺☺

Weitere Infos, Ausstattung, Preise (...)

www.volkswagen.de
 

*Bewertung:

☺☺☺☺☺☺=hervorragend

☺☺☺☺☺=sehr gut

☺☺☺☺=gut

☺☺☺=zufriedenstellend

☺☺=nicht so toll

=geht besser

 

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