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Aufstieg aus dem Osten

Test: Kia Opirus 3.5 V6 Executive

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nicht am Steuer zu sitzen, ist auch eine gute Entscheidung. Polierte Einstiegsleisten und hochflorige Teppiche bilden das Empfangskomitee, bevor die Körperrückseite im Fond in weichen Lederpolstern versinkt. Das Leder wirft schöne Falten, die Oberflächen suggerieren Wertigkeit. Das Holz, das an der Armaturentafel und an den Türen überzeugend vorgibt, welches zu sein, ist jedoch Blendewerk – was weniger die Optik, als das sonst so vollwertige Gefühl enttäuscht: Denn vieles im großen Kia steht nicht nur dem schönen Schein nach für das automobile Oberhaus. Die breite hintere Armlehne etwa beinhaltet nicht nur ein Ablagefach, dient nicht nur als doppelter Cupholder, beherbergt nicht nur eine 12Volt-Steckdose, sondern auch die Regler für die Fond-Sitzheizung. Das koreanische Oberhaus definiert sich (wie in Deutschland Marotte) nicht über scheinbar endlose Aufpreisideen, sondern schmückt sich mit vielem, was den Verweil im Auto angenehm und sicher macht: Xenonlicht, acht Airbags, ESP, Regen- und Dämmerungssensor, Fünfgang-Automatik (mit sequenzieller Schaltoption), Alarmanlage, Tempomat, Einparksensor, Zweizonen-Klimaautomatik, Lederausstattung, in Länge und Höhe elektrisch variierbarer Lenksäulenverstellung, Becker-Navigation Traffic Pro, Sitzheizung vorne und hinten. Mögliches Zubehör für die 43.900 Euro teure Executive-Variante: das Glasschiebe-Hubdach (400 €) und die Metalliclackierung (700 €).

 

Die Karosse und der Motor wurden aufwendig ruhig gestellt: Dämmmatten am Boden, im Dach und vor der Spritzwand, ein Motor in Komplettverkleidung, ausgeschäumte Hohlräume in den Radhäusern und Schallgedämpfte Kühlventilator-Schaufeln. Das Resultat hat Format: Im Stand dezente 78 dB(A), in Fahrt ein Geräuschpegel von nur 72 dB(A). Mehr als ein sehr sonores Säuseln ist selten zu vernehmen. In den höheren Drehzahlregionen klingt es etwas mehr nach Arbeit, wobei dem 203 PS starken Motor dank reichlich Drehmoment (298 Nm bei 3.500/min) die Lässigkeit selten abhanden kommt. Obwohl die Fünfgang-Automatic mit ihrem weichen Wandler hörbar einige Pferdestärken dem weichen, unauffälligen Gangwechsel opfert, vermittelt das großzügig aus 3,5 Liter Hubraum schöpfende Aggregat fast immer das Gefühl, im Verkehr souverän positioniert zu sein. Die Messwerte (9,2 s von 0-100 km/h, 220 km/h Höchstgeschwindigkeit) sagen darüber weniger aus als der tagtägliche Testbetrieb.

 

 

 

 

Der offenbarte auch die angenehme Zurückhaltung bei den Fahrwerks- und Abrollgeräuschen. Das Opirus-Fahrwerk mit elektronischer Dämpferverstellung „ECS“ (zwei Wahloptionen: „Automatik“ oder „Sport“) meint es, nur über sehr widerspenstigem Belag etwas mehr zur Präsenz geneigt, gut mit den Insassen. Auch von der Antriebsachse dringt wenig in die eher indirekte als direkte Steuerzentrale. Die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung geht bei niedrigem und mittlerem Tempo so forciert leichtgängig in die Runde, dass das Volant manchmal unfreiwillig mit einem unschicklichen Klacken am rechten oder linken Lenkanschlag angedockt wird. Mehr Direktheit stände auch dem Bremspedal, dessen schlecht definierter Druckpunkt etwas im Unklaren lässt, gut zu Tage. Auch deswegen liegt flotte und trotzdem geruhsame Autobahnfahrt dem fast zwei Tonnen schweren Opirus spürbar mehr als eine flotte Nummer auf der Landstraße.

 

Für 2005 sind 35.000 Einheiten geplant, ab 2006 hofft man bei Kia auf eine Steigerung auf 60.000 Opirus pro Jahr. Die Konkurrenz ist groß – aber, bei vergleichbarer Ausstattung, deutlich teurer. Das Angebot aus Korea, wo Kia schon seit Jahren das gehobene Segment beliefert, firmiert hierzulande unter Geheimtipp: selbstverständlicher Komfort, dezente Kraft, generöser Raum, viel Charme im Auftritt – und fünf Jahre Garantie. Bei diesem selbstbewusst garantierten „Aufstieg aus dem Osten“ erblasst so manch anderer Stern am Autohimmel.

 
Text: le / Fotos: am
2004
 

kurzcheck☺☺☺☺☺☺*

 

Leistung (PS bei 1/min)

203 bei 5500    

Maximales Drehmoment (Nm bei 1/min)

298 bei 3500

0 - 100 km/h (Werksangabe; s)

9,2

Höchstgeschwindigkeit (Werksangabe)

220

Testverbrauch (l)

11,6  (Normal)

Kofferraumvolumen (l)

480

Mängel am Testfahrzeug

keine

Fahrdynamik

☺☺☺☺

Komforteindruck

☺☺☺☺☺

Emotion

☺☺☺(☺)

Alltagsnutzen

☺☺☺

Familientauglichkeit

☺☺☺☺

Sparpotential

Preis-Leistungs-Verhältnis

☺☺☺

Weitere Infos, Ausstattung, Preise (...)

www.kia.de
 

*Bewertung:

☺☺☺☺☺☺=hervorragend

☺☺☺☺☺=sehr gut

☺☺☺☺=gut

☺☺☺=zufriedenstellend

☺☺=nicht so toll

=geht besser

 

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