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"Dieses Auto ist für Eroberung ausgelegt“, und der Fahrer soll von ganz hinten, über den Fond und das variable Gepäckabteil, über die Zufriedenheit seiner Mitfahrer und über die Freude, viele Koffer mit in den Urlaub nehmen zu können, erobert werden. Das ist gut gedacht, aber mit der “Freude am Fahren” zu vereinen? Fahrbericht: BMW 5er Gran Turismo 530d.
Liegt es daran, dass junge Designer auch mal Papa werden? Dass Vorstände am Zenit ihrer Karriere nicht mehr in Autos krabbeln und aufrecht ein Auto besteigen wollen? Oder liegt es am Kunden? Es liegt. Sagt die BMW-Marktforschung. Also bauten sie das Auto hoch, betonten das “Drinnen”, redeten nur von “Hinten”. Sie bügelten die Dachlinie auf großen hinteren Beinraum, bequemen Zustieg und großformatigen Kofferraum und stülpten dem Dach auf Höhe des hinteren Kopfraums Beulen über, die sie “Kopfglocken” nennen … Bei einem schwediscnen Hersteller hätte man nicht gestaunt. Hier schon.
Activity Vehicle“ – Ach so. Darauf muss man erst mal kommen Es erklärt alles, aber auch nichts. Denn auch neue Gattungsbezeichnungen setzen sich erst einmal in eine Nische, die dann halt noch keiner kennt. Und was gibt das Blech für Erklärungen? Der “Gran Turismo” (der Begriff stimmt nur fürs Marketing) erklärt sich vorne gefällig. Die Niere baut etwas höher, was an der Motorhaube durch Linienspiel abgebaut wird. In den rahmenlosen Türen werden die hinteren Scheiben – geräumiges Hinausblicken – komplett versenkt. Die GT-Dachkante fährt ein Höhenniveau, das zwischen 5er Touring und X6 parkt, was die Oberkante der A-Säule für den Kopf entschärft. Zudem verbessert es den Zustieg. Nach hinten fällt das Dach so spät und steil ab, dass – dank “Kopfglocken” – auch große Mitfahrer im Kopfraum davon nicht viel mitbekommen – ein gutes Zeichen für gute Raumverhältnisse. Die sehr hohe Abrisskante oberhalb des smarten Typenschilds zusammen mit den L-förmigen Scheinwerfern und der breiten Chromleiste lassen den Gran Turismo so abrupt und scharf enden wie eine Hochzeitstorte an der Messerkante – lecker?
Was dem Fahrer überhaupt nicht schmeckt, ist die Übersicht im Fond auf Krisensitzung: Nur die Park Distance Control (Serie) erklärt ihm, was sich im geraden Winkel direkt hinter dem Fahrzeug abspielt – ähnlich wie im hinten zugebauten X6. Das ist ein “Bruch” im Konzept, denn speziell die reifere Kundschaft, die sich den neuen BMW wahrscheinlich eher leisten möchte (ab 55.200 €), will nicht nur gut einsteigen, leicht erhöht sitzen und hinter der großen Panoramascheibe alles gut erblicken, sondern auch: Vertrauen in den Rückraum und keine Unsicherheit beim Zurückstoßen. Man kann sich zwar getrost mit den Konkurrenten trösten. Im Mercedes CLS und im Passat CC blickt der Fahrer ähnlich verzweifelt in den Hinterraum. Auch hier funktioniert der so schöne und treffliche Leitsatz: “Form follows function” – leider genau anders herum.
Das über 1,16 m lange und 0,94 m breite Glasdach weckt Begehrlichkeiten (bei starker Sonneneinstrahlung lässt es sich mit dem Sonnenschutz komplett verdecken). Im Innenraum fließen die Formen freundlich ineinander. Weiche Farben dominieren. Die Gestaltung des Armaturenbretts verläuft streng horizontal. Vier Blackpanel-Rundinstrumente (schon bekannt vom neuen 7er: Test BMW 750i), die man erst mal nicht sieht, da sie erst erscheinen, wenn die Zündung aktiviert wird. sind genau das, “was der BMW-Fahrer erwartet“, weiß Anders Warming (Exterieur Design BMW). Ein weiteres Blackpanel unterhalb der pfiffigen (bei BMW) neuen Schublade im Oberteil der Mittelkonsole, das edle braune Eschenholz an Türen und B-Säule (590 €), der flinke 3-Tasten+Rändelrad-Tempomat, die sanft von der Lichtautomatik nach einem Tunnel hinweggedimmte Instrumentenbeleuchtung oder das winzige Keramikinlay am Automatikwahlhebel machen im Kleinen klar, was im Großen stimmt: Anmutung, Qualität, Verarbeitung, Bedienung, Sitzkomfort … alles erste Klasse, ein ansehnlicher Ausflug mit neuem Konzept in die automobile Oberklasse.
Und wie fährt er sich? Kurze Antwort: wie ein BMW. Ohne fühlbare Kompromisse. Die ganz neue Achtgang-Automatik ist ein einziger wattiger Hintergrund, wenn sie die Schaltstufen weich kaschiert. Die Bremsanlage (belüftete Scheiben; vorne: 348 mm, hinten: 345) steht mit straffem Druckpunkt Gewehr bei Fuß. Die Hinterachs-Luftfederung (mit Niveauregulierung) ist Serie und die ebenso serienmäßige Fahrdynamik-Control in Verbindung mit dem teuren Adaptive Drive (3.000 €) in „SPORT“ und „SPORT+“ sehr dynamisch (Fahrdynamik-Control-Taste auf der Mittelkonsole). Der lange Radstand, 3.070 mm, ist komfortabel. Wie aller Voraussicht nach auch bald der neue BMW 5er, auf dem der Gran Turismo basiert. Der hält mit Doppelquerlenker-Vorderachse und der neuen Integral-V-Hinterachse (mit der optionalen Integral-Aktivlenkung: mitlenkend wie im 7er) gut Balance zwischen Komfort und Sportlichkeit. Da passt die sehr souveräne, weil präzise und bei hohen Tempi stoische Servotronic gut ins Bild. >>>Weiter>>>
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